Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875679
Zweiter Abschnitt. 
Läden, geschäftliche und gewerbliche Wohnungen. 
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Thiir in eine Seitenabtheilung des Hauses, welche das Atrium 33 und neben 
dem eigenen Eingang 34 links ein kleines, durch die für die Ruhebetten be- 
stimmten Aushöhlungen in den Wänden deutlich gekennzeichnetes Speisezim- 
mer 35, rechts ein Sclavenzimmer 36 und den Treppenraum 37 umfasst. Das 
ursprünglich geräumige, aus der Tuifperiode stammende korinthische Atrium 
ist später durch hineingebaute Scheerwände, deren Zweck im Einzelnen nicht 
verfolgt werden kann, entstellt worden. Vor dem Impluvium steht ein Puteal 
aus gebranntem Thon h, hinter demselben eine Basis oder ein niedriger mit 
weißem Marmor bekleideter Altar und hinter diesem ein zweites Puteal. End- 
lich muss im Peristyl des Haupthauses noch eine kaum mannshohe nach 
vorn geöffnete Ummauerung 38 erwähnt werden, welche im Fußboden die 
Eindrücke von fiinf Balken zeigt und vermuthlich nichts anderes als ein 
Schrank war. 
Eine zweite Fullonica wurde im Jahre 1875 in der 14. Insula der 6. Region 
gefunden (N0. 21. 22, Plan No. 50 b) ; dieselbe ist zwar von geringerem Um- 
fange, aber auf einen mindestens eben so großen Betrieb eingerichtet. Die zur 
Tuchbereitung dienenden Vorrichtungen finden sich theils in einem Laden, 
theils im Peristyl. Im Laden, wo jedenfalls der Verkehr mit dem Publicurn 
stattfand, sind die Plätze für drei Waschbiitten (Fig. 195) und außerdem eine 
Vertiefung im Fußboden, in welcher vermuthlich die Presse festgemauert war. 
Im Peristyl sind weitere sieben Plätze für Waschbiitten und drei große Wasser- 
behälter (3,90 x 1,65 M.) angebracht, in deren hintersten das Wasser aus 
einer Leitungsröhre hineinfiel, um dann durch Löcher in den Zwischenwänden 
in die beiden anderen zu gelangen. An der linken Schmalseite eines jeden 
der drei Behälter sind Stufen in denselben angebracht, und zwar in den beiden 
ersten je eine in halber Tiefe. Diese machen ganz den Eindruck als habe man, 
auf ihnen knieend, die Stoffe auf der an dieser Seite nach Innen geneigten 
Oberfläche der Umfassungsmauer gewaschen. Dagegen sind in dem dritten 
Behälter zwei nur die halbe Breite einnehmende Stufen, welche offenbar zum 
Hineinsteigen dienten. In dem ursprünglich die Fauces bildenden Raume 
fand man eine beträchtliche Menge einer weißen Masse, in der man anfangs 
eine seifenartige Substanz zu erkennen glaubte; doch hat die chemische Ana- 
lyse gezeigt, dass es vielmehr eine weißliche Thonart ist, Walkererde (term 
jüllonica), welche wegen ihrer fetteinsaugenden Kraft zur Reinigung der Stoffe 
benutzt wurde 171). Die linke Seitenwand des Peristyls trägt ein ihre ganze Länge 
einnehmendes und noch auf die anstoßenden WVände übergreifendes Gemälde, 
welches in ziemlich geringer Ausführung die Walker darstellt, wie sie ein Fest, 
Wahrscheinlich ihr Hauptfest, die zu Ehren der Minerva gefeierten Quin- 
qllatrus, begehn, nebst der gerichtlichen Verhandlung über eine dabei entstan- 
dene Schlägerei (abgeb. Giornale degli scavi di Pompei, nuova serie III tav. 4)  
Eine ungleich kleinere Tuchwalker- oder Wäscherwerkstatt haben die 
Ausgrabungen von 1862 im Vico del balcone pensile (N0. 81 im Plane) zu Tage 
gefördert, welche sich durch Heerde mit Kesseln und eine Wanne zum Waschen 
des Zeuges in ihrer Bestimmung zu erkennen giebt. Auch das Zimmer zum 
Aufhängen der gewaschenen Stoffe mit den Löchern für die zum Aufhängen 
dienenden Latten ist noch nachweisbar. Hier wurde die vortreffliche Bronze-
        

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