Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871418
Die Verschüttung Pompejis. 
und da sich findenden Brandspuren von geringer Ausdehnung. Denn natür- 
lich wird es an einzelnen localen Bränden, verursacht durch das Feuer von 
Herden, Lampen u. dgl., nicht gefehlt haben.  Diese Beweise sind so 
Zwingend, dass ihnen gegenüber die hie und da roth gewordene gelbe Ocker- 
fäfbe, die bisweilen verbogenen Gläser nicht als Gegenargumente aufkommen 
können? wir müSSen annehmen, dass diese Erscheinungen durch chemische 
Einwirkungen Zu Stande kamen, welche wir freilich genauer nachzuweisen 
Ilißllt im. Stande sind, wie denn ja Experimente von 18 Jahrhunderten nicht 
gema-Cht Werden können. Aus der Art der Verschiittung, zusammengehalten 
mit den Notizen des Plinius, geht hervor, dass die Katastrophe über Pompeji 
nicht mit einer solchen Heftigkeit hereinbrach, dass es den Bewohnern nicht 
möglich gewesen wäre, das nackte Leben zu retten, wenn sie es hierauf ange- 
legt und dazu die rechten Mittel ergriffen hätten. Die meisten Bewohner 
Pompejis sind nach Ausweis der Fundorte ihrer Gerippe und sonstiger Um- 
stände entweder, jedoch in der Minderzahl, dadurch umgekommen, dass sie 
sich Schutz suchend in das Innere ihrer Gebäude, nicht selten in die Keller 
flüchteten, wo sie dann allerdings durch die nachfolgenden Massen einge- 
sperrt worden und erstickt oder verhungert sind 5)  Andere, und zwar scheint 
dies die Mehrzahl gewesen zu sein, haben von ihren Habseligkeiten, zum 
Theil, wie das zu gehen pflegt, Schnurrpfeifereien, zu retten versucht, und 
sind dann, zu spät {liebend und durch die lockeren Lapillimassen in der Flucht 
gehemmt, umgekommen. Manche blieben während des Lapilliregens in ihren 
Häusern; als derselbe nachließ, suchten sie zu fliehen, wurden aber von dem 
nun folgenden Aschenregen begraben. Über die Zahl der im Ganzen gefun- 
denen Gerippe schwanken die aus älterer Zeit sehr unzuverlässigen Angaben 
so sehr, dass keine derselben hier wiederholt werden kann; einen ungefähren 
Maßstab für das Ganze giebt uns aber die Thatsache, dass in dem kleinen von 
1861 bis 1878 ausgegrabenen Stück 116 menschliche Gerippe und außerdem 
Gerippe von 8 Pferden, 14 Schweinen, 10 Rindern. 4 Hunden u. dgl. 1n. ge- 
funden worden sind. Danach zu schließen ist die Katastrophe eine in der 
That entsetzliche gewesen. Über die Situationen, in denen man die Gerippe 
fand, in denen also die alten Pompejaner gestorben Waren, sind eine Masse 
romantischer aber unbewährter und zum Theil sicher falscher Erzählungen im 
Schwange ß). Zu solchen Fabeln gehört die Schildwache, welche man in der 
ersten kleinen Grabnische links vor dem Herculaner Thor gefunden haben 
will, das junge liebende Paar, welches in innigster Umarmung in der Straße 
von dem Theater zum Forum verschüttet worden sein soll 7), die Mutter mit 
drei Kindern in der iiberwölbten Halbkreisnische rechts an der Gräberstraße, 
die Männer, welche angeblich nicht weit davon im Triclinium funebre beim 
Leichenmahl von der Katastrophe überrascht wurden. Von einigen Isispriestern 
erzählt man, sie seien länger als rathsam in den Nebengebäuden des Tempels 
zurückgeblieben; den einen habe man unfern eines Tisches mit Speiseresten 
(Hühnerknochen) gefunden und er scheine plötzlich erstickt zu sein, den andern 
hätte die Verzweiflung der Todesangst zu einem gewaltsamen Rettungsversuch 
getrieben: mit einer Axt hätte er, da die Thür versperrt war, bereits zwei 
Wände durchhauen, um sich einen Ausweg zu bahnen, vor der dritten Wäre
        

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