Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875610
Zweiter Abschnitt. 
Läden, geschäftliche und gewerbliche Wohnungen. 
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mit einem Tonnengewölbe bedeckten Vorraum b umgeben ist, der die erhitzte 
Luft festhielt. Durch zwei Öffnungen d, die mit Thonröhren verkleidet sind. 
und nicht, wie es nach der Abbildung scheint, in der Scheitellinie liegen, zog der 
natürlich auch bei Holzkohlenlieizung und dem Backen des Brodes entstehende 
Qualm und Dampf ab; e ist der Aschenbehälter. Mit Holzkohlen aber muss 
hier, wo von einem Schornstein keine Spur ist, geheizt worden sein. Der 
Backofen steht vermöge einer mäßigen Öffnung c mit den beiden anstoßenden 
Zimmern, 18 und 19 auf dem Plan, in Verbindung. In dem erstern dieser 
Zimmer erkennen wir das Backzimmer (panüfcium) ; hier sah man die jetzt 
nicht mehr erhaltenen gemauerten Füße eines großen Tisches, dessen hölzernes 
Blatt verkohlt war, und der offenbar zum Formen des Teiges diente; an den 
Wänden waren drei Reihen Brettgestelle, zum Aufbewahren des Brodes vor 
und vielleicht auch nach dem Backen, angebracht. Das geformte Brod wurde 
durch die erwähnte Öffnung c links in den Vorraum des Backofens gebracht. 
Wo der Bäcker dasselbe empfing und in den Ofen schob. War es gar ge- 
backen, so wurde es vielleicht durch c rechts weiter in das durch einen wenn 
auch nur gewöhnlichen Mosaikfußboden ausgezeichnete Zimmer 19 gebracht, 
welches dann als Kühlzimmer gelten muß. Ein anderer Zweck der Verbin- 
dung dieses Zimmers mit dem Backofen ist nicht wohl denkbar; von irgend 
Welchen bezüglichen Vorrichtungen freilich, z. B. Gestellen an der Wand, 
ist hier keine Spur. Links vor dem Backofen ist ein iiaches Thongefäß, 
f im Durchschnitt Figur 192, in den Boden eingelassen, welches ver- 
muthlich YVasser zum Befeuchten des halbgaren Brodes enthielt, um seine 
Rinde glänzender zu machen. Ferner sind an der Tablinumswand, rechts 
und links von einer Brunnenöffnung, c Fig. 189, zwei ähnliche aber größere 
Gefäße auf einer Erhöhung von Mauerwerk eingelassen; vermuthlich wurde 
aus ihnen jenes kleinere Gefäß gefüllt. d (Fig. 189) bezeichnet jetzt nicht 
mehr erhaltene gemauerte Fiiße eines sehr niedrigen Tisches, der vielleicht 
Zum Sieben des Mehles dienen mochte. Über dem Brunnen und dem Wasser- 
behälter war ein jetzt nicht mehr sichtbares und bei Mazois (II, 19) undeut- 
lich überliefertes Bild in zwei Zonen; die obere (Hlbg. N0. 85) Wird VcSta 
zwischen den Laren darstellen ; in der untern sind die bekannten zwei symbo- 
lischen Schlangen gemalt. In dem Stalle 16 ist eine eingemauerte Tränke, 
welche mitten in der Wand liegt, so dass sie auch aus dem Nebenzimmer 20 
erreichbar war und von hier aus mit WVasser versehen werden konnte; 20 ist 
also vermuthlich das Schlafzimmer des Mühlensclaven, vielleicht auch zu- 
gleich? wie man aus den Fragmenten eines Heerdes schließen könnte, die 
Küche oder ein zweiter Backraum. WVir erwähnen endlich noch eine hier 
fehlende, sonst aber häufig in pompejanischen Bäckereien, und zwar regel- 
mäßig im Backzimmer vorkommende Vorrichtung, deren besterhaltenes B eispiel, 
911er vielmehr das einzige, welches auf ihre Bedeutung schließen lässt, sich 
(iln dem Backzimmer einer Bäckerei auf der Nordseite der Insula VI, 14 befin- 
uergsrelßlle bei dem jetzigen Stande der Ausgrabungen nur durch das auf der 
 Sßlte, der Insula liegende Haus N0. 37 zugänglich ist. Es ist dies ein 
Cyhnderformiges Gefäß aus Lava von 0,38 M. Tiefe und 0,47 M. innerem 
Dllrßhmesser. Am Boden desselben befindet sich eine an den Enden etwas
        

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