Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875602
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Viertes Capitel. 
Löchern durchbohrte Scheibe b von demselben Metall verschlossen ist. In das 
mittelste und größte dieser fünf Löcher passte der feste Zapfen des untern 
Reibers, und folglich bewegte sich der steinerne Doppeltrichter um diesen 
Zapfen, während das Getreide durch die vier kleineren Löcher zwischen die 
Reiber liel. Indem nun so der obere Reiber um ein Geringes von dem untern 
gehoben war, entstand zwischen beiden ein enger Zwischenraum, welcher 
vermöge der geschwungenen Profillinie der Reiber oben und unten etwas 
weiter, bei dem Punkte e Fig. 190 am engsten war. Hier war es also, Wo 
eigentlich das Korn zerdrückt und zerrieben wurde, und diesem Punkte fiel 
es in Folge der Erweiterung des Zwischenraumes nach oben um so lebhafter 
zu. Wäre der Zwischenraum von oben bis unten gleich weit gewesen, so 
hätte man nur dann feines Hehl erhalten, wenn die Steine sich fast ganz 
berührt hätten, und dann wäre die Reibung so groß gewesen, dass sie nur 
durch die doppelte oder dreifache Kraft hätte überwunden werden können, 
die jetzt erforderlich erscheint, abgesehn davon, dass die ganze Operation 
durch den langsamern Zufall des Getreides unsäglich verlangsamt worden 
wäre. Die Vorrichtung zum Bewegen des obern Reibers besteht aus hölzernen 
Balken, Welche entweder, wie bei unserer und einigen anderen, in der Form 
etwas abweichenden, pompejanischen Mühlen, am Zusammenstoß der beiden 
Trichter eingelassen, oder in einer etwas künstlichem Weise, welche wir aus 
einem Sarkophagrelief im Vatican 167) kennen, mit dem obern Theile des Rei- 
bers verbunden waren. An diesen Balken oder Stangen schoben nun Men- 
schen, natürlich meistens Sclaven, und diese Arbeit war die härteste von 
allen, welchen die Sclaven sich zu unterziehn hatten, so dass man sie zur 
Strafe für Vergehungen in die Mühlen sandte. Jedoch übertrug man die 
Drehung der Mühle in vielen Fällen auf Thiere, Esel oder Mauleselms), und 
dass dies auch in unserer Bäckerei, sowie in derjenigen in der Casa di Sallustio 
und in den anderen pompejanischen der Fall gewesen sei, lässt sich erstens 
daraus schließen, dass der Umgang um die Mühlen, wie Plan und Ansicht es 
angeben, gepflastert ist, während im Übrigen der Fußboden mit Estrich belegt 
ist, zweitens daraus, dass sich neben dem Mühlhause in 16 der Stall mit der 
steinernen Krippe befindet, in welchem Mazois einige Reste von Maulthier- 
knochen fand. Die Art, wie die Thiere an die Balken der Mühle angespannt 
wurden, finden wir freilich nur in roher Weise in dem 
2223m wg:  oben (Fig. 186 S. 379) mitgetheilten Aushängeschilde 
 M     i,  einer Bäckerei, genauer in dem erwähnten Sarkophag- 
ä       relief dargestellt. Es begreift sich, dass, wenn man die 
   Balken, an denen geschoben oder gezogen wurde, in 
äß"; I,     w, ein Kammrad vervollständigte, man dieses auf die ein- 
 fachste WVeise mit einem Wasserrade in Verbindung 
"f;  setzen konnte. Das ist die Einrichtung, welche Vitruv 
Fig. 192. Durchschnitt beschreibt 
des Backofens.  
Rechts von den Mühlen liegt bei 17 im Plane der 
Backofen, von dem Fig. 192 einen Durchschnitt giebt. Aus diesem ist ersicht- 
lich, mit welcher Sorgfalt man die Hitze des Ofens zu benutzen strebte, indem 
der eigentliche innere gewölbte Ofen a von einem ringsum wohl verschlossenen,
        

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