Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875585
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Viertes Capitel. 
der in Pompeji, wo man in der Regel mit Holzkohlen geheizt hat, seltenen, 
aber doch auch in Privathäusern, in denen sie aus thönernen Bohren bestehn, 
keineswegs unerhörten Schornsteine (s. Reg. VII, Ins. 12 zwei Beispiele und 
Ins. 3)Wi) auch ohne weitere Erläuterung klar werden wird. 
An der Straßenfront liegen rechts und 
a,  W links vom Eingang 1 Fig. 189 zwei Läden, die 
 f- aus je drei Räumlichkeiten 2, 3, 4 und 5, ü, 
  d 7 bestehn, jedoch keine Verbindung mit dem 
 Ü Innern des Hauses haben, in denen also unser 
ä  17 Bäcker nicht sein eigenes Geschäft betrieb. 
Z0 ggf sonderirdie er anderweitig vcrmiethete. Die 
 H, 1, Bäckerei 111 Pansas Hause bangt dagegen mit 
 „  einem Laden zusammen, so dass es zu viel 
11 13 behauptet ist, wenn einige Schriftsteller an- 
  geben, keine Bäckerei habe ihre YVaare im 
1a ä ß 12 Hause feilgehalten, sondern das Brod sei auf 
 li  tragbaren leichten Tischen auf dein Forum 
4   u" verkauft worden, wie ein Gemälde aus Pom- 
lml  peji (Hlbg. N0. 1497) es darstellt. Das Atrium 
J Z ' unserer Bäckerei 8, in welchem rechts die 
k, l  Treppe in das obere Stockwerk 9 liegt, zeigt 
 vier starke Pfeiler um das Impluvium als Träger 
Fig_189_ P1aneinerBäcke,ei_ der Decke, welche nach sicheren Anzeichen 
nicht ein schräges Dach, sondern eine Terrasse 
oder ein rundumlaufender großer Balcon war. Zu beiden Seiten des Atriums 
liegen je zwei Cubicula 10, 11 und 12, 13; das letzte ist mit gemauerten, 
aber nicht mehr vorhandenen Tisehfiißen versehn gewesen. In der Mitte 
des Hintergrundes liegt ein Gemach in'der Form eines Tablinums 14, natür- 
lich hier nicht in der That ein solches, sondern ein geräumiger Vorplatz, durch 
welchen man in die YVerkstatt selbst eintritt. Der Hauptraum dieser Werk- 
statt, das Mühlenhaus 15, ist 10,20 X 8 M. groß und enthält als ersten Gegen- 
stand von großem Interesse vier Mühlen b, welche in Form eines verschobenen 
Vierecks gegen einander gestellt sind, um den Raum weniger zu beengen, als 
sie bei einer den Wänden parallelen Stellung gethan haben würden. Zur 
Würdigung dieser Maschinen muss voraus bemerkt werden, dass, obwohl um 
die Zeit, um welche es sich hier handelt, YVass ermiihlen bereits bekannt 
waren, Welche ein Epigramm der griechischen Anthologie poetisch preist und 
Vitruv ganz klar beschreibt, Windmühlen nicht erfimden, und alle Vor- 
richtungen zum Mahlen des Getreides lange Zeit sehr unvollkommen waren, 
S0 dßSS Ürtß Wie Pompeji, welche kein fließendes Wasser in ihren Ring- 
mauern hatten, auf den Gebrauch von Mühlen angewiesen waren, die ent- 
weder durch Menschenkraft oder von Zugvieh getrieben wurden. Derartige 
Mühlen sind überhaupt die ältesten; schon bei Homer drehen die Sclavinnen 
die Handmiihle, welche das noch ältere Instrument zum Zerdriicken des Ge- 
treides, Uörser und Stößel, verdrängt hatte. Dass namentlich in Italien das 
Zerstoßen des Getreides das Ursprüngliche ist, wird uns bezeugt und liegt
        

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