Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875537
Zweiter 
Abschnitt. 
Läden, geschäftliche und gewerbliche Wohnungen. 
381 
von einem Stuccat eur bewohnt wurde. Die Ausgrabungen von 1862 haben 
uns wenigstens mit YVahrscheinlichkeit an der Ecke des Vice deZZe terme Sta- 
biavze und desjenigen degli Augustali die Werkstatt eines Riemers und 
Schusters kennen gelehrtm), bezeichnet als solche durch die Auffindung 
von mancherlei Handwerkszeug, unter welchem sich einige jener haldinond- 
förmig gebogenen Messer mit in der Mitte befestigtem Griffe auszeichnen, 
welche noch heutzutage von den Lederarbeitern zum Verdünnen des Leders 
gebraucht werden (vgl. oben S. 282). 
Den Ausgrabungen des Jahres 187 3 verdanken wir die in der ersten Re- 
gion, an der Nordostecke der fünften lnsula gelegene Gerberei 160). Da Wir von 
der Gerberei der Alten nur wenig wissen, so kann der Zweck der einzelnen 
hier erhaltenen Vorrichtungen nicht genau nachgewiesen werden. I)0cl1 ist 
so viel klar, dass dieselben in zwei Abtheilungen zerfallen, von denen die eine 
zur Bereitung irgend Welcher beim Gerben gebrauchten Flüssigkeit, die andere 
zum Einweichen der Felle diente. Es ist hier offenbar ein Haus zur Anlage 
der Gerberei umgebaut worden; man betritt dasselbe nicht mehr durch das 
Atrium, sondern gelangt zuerst in das Peristyl, an dessen einer Wand die 
zuerst erwähnte Vorrichtung angebracht ist. Dieselbe besteht aus einem 
gemauerten Becken, aus welchem die Flüssigkeit theils durch zwei Öffnungen 
in ein niedrigeres Becken, theils in eine an der Wand entlang laufende 
Rinne abfloss, aus welcher sie wieder durch drei am Anfang, in der Mitte und 
am Ende sich seitlich abzweigende Rinnen in große Thongefaße gelangte. Die 
zweite Abtheilung ist in dem friihern Atrium angelegt worden, von welchem 
etwa drei Viertel mit einer ganz niedrigen Mauer umgeben sind; innerhalb 
des so abgetheilten Baumes finden sich fünfzehn annähernd runde Gruben von 
1,25 bis 1,60 M. Durchmesser und etwa 1,50 M. Tiefe. mit je zwei Löchern in 
den Wänden zum Ein- und Aussteigen. Sie sind, wie auch der Boden zwi- 
schen ihnen, mit Stuck bekleidet; in ihnen wurden sicher die Felle auf- 
geweicht. Zwischen ihnen befinden sich länglich viereckige, nach unten sich 
erweiternde Gruben (ungefähr 0,55 x 2,70 M.) von viel geringerer Tiefe (etwa 
0,5 Md, welche nicht mit Stuck, sondern mit irgend einem andern, nicht 
erhaltenen Material bekleidet waren. Neben diesen länglichen Gruben ist an 
der Mitte jeder Langseite ein irdener Topf (größter Durchmesser 0,45, Tiefe 
0,40 M-l in den Boden eingelassen. Endlich zwischen einem solchen Topf und 
der länglichen Grube findet sich jedesmal ein senkrechtes, cyliirderförmiges 
Lech von der Tiefe der Grube, und gegen diese geöffnet; es sieht aus, als sei 
hier eine Thonröhre eingesetzt gewesen; doch ist eine solche nirgends erhalten. 
Qffenbar diente alles dies zur Bereitung von irgend welchen zur Bearbeitung 
der Felle nöthigen Stoffen; und in der That fanden sich in den Töpfen 
Reste einer derartigen Masse, Welche, soviel bekannt, noch nicht chemisch 
untersucht worden sind. Außerdem fand man hier vier Instrumente, welche 
den noch heute üblichen ähnlich sind. Das eine ist ein grades Schabmesser 
aus Bronze, mit einem Holzgriff, welcher den ganzen Bücken der Klinge um- 
fasste. Das Holz war merkwürdig gut erhalten, ist auch nachher an der Luft 
nur etwas zusammengeschrumpft. Ferner zwei gebogene Schabeisen, mit der 
Schneide auf der concaven Seite und einem (in Spuren erhaltenen) Holzgriff
        

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