Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875527
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Viertes Capitel. 
drei Lagern und allen Bequemlichkeitenu, wie wahrscheinlich zu ergänzen sein 
wird. Der Gastgeber in diesem übrigens äußerst bescheidenen Elephanten- 
wirthshaus scheint ein in einer kleinen Inschrift (Sittius resiituit elepantzdmj) 
über dem Abzeichen als dessen Erneuerer genannter Sittius zu sein. Hospitien 
dieser Art kehren in nicht geringer Zahl in Pompeji wieder; hier mag 
nur noch dasjenige im Vicolo di Eumaclzia N0. 15 angeführt werden, auf 
dessen WVänden die hier einquartiert gewesenen Gäste mancherlei interessante 
Inschriften hinterlassen haben. Die verschiedenen Lupanare, die man in 
Pompeji aufgefunden haben will (das neueste ist sicher ein solches), und die 
sich hier am besten anfügen lassen, können aus nahe liegenden Gründen nu 
erwähnt werden. Außer den Ladenzeichen und dem ihnen Verwandten wurden 
auf die Pfeiler der Läden vielfach noch die bekannten symbolischen Schlangen 
als talismanische Zeichen zur Abwehr von Unheil angemalt, hier und da wohl 
auch noch ein anderer Schutzgenius (genius loci), und dieselbe oder ähnliche 
Bedeutung werden auch die Phallen haben, welche mehrfach an den in Rede 
stehenden Stellen und neben Hauseingängen in Pompeji vorkommen. 
YVenn man nun Alles zusammenfasst, was man von Merkmalen geschäft- 
lichen Betriebes in Pompeji aufgefunden hat oder auch aufgefunden zu haben 
meint,  denn man kann sich keineswegs für Alles verbürgen,  so können 
wir die folgende kleine Reihe von Handwerken und Gewerben in Pompeji 
nachweisen. Die Werkstatt eines G ro b s ch m i e d e s oder eines YV a gn e r s 
(Plan N0. 19) liegt in der Straße vom Herculaner Thor unfern des zweiten 
Brunnens an der Vorderseite eines geräumigen Hauses, welches jedoch außer 
einem ziemlich bedeutenden Keller nichts besonders Bemerkenswerthes bietet. 
Auch die Werkstatt an sich enthält von Nennenswerthem höchstens eine kleine 
Nische für den Schutzgenius, die charakteristischen und nicht uninteressanten 
Werkzeuge sind in das Museum geschafft. Man fand mehre Hebebaume, von 
denen einer am obern Ende in einen Schweinefuß ausgeht, Hammer, Zangen, 
eiserne Zirkel und andere Geräthe, Wagenachsen und die Felge eines Rades. 
Größeres Interesse gewährt eine T öp f erei in einem der Läden links an der 
Gräberstraße, namentlich durch die beiden eigenthümlichen Öfen zum Brennen 
der Geschirre. Dieselben sind gemauert und zwar mit doppelter Höhlung: 
der untere Theil, in welchen die Feuerung gethan wurde, ist mit einer flachen, 
von vielen kleinen Löchern durchbrochenem Wölbung gedeckt, um die Hitze 
in den obern Raum, in den die Gefäße gestellt wurden, leicht durchdringen 
zu lassen. Dieser obere Raum ist überwölbt, und zwar ist in Betreff des 
kleineren Ofens bemerkenswerth, dass das Gewölbe aus in einander gesteckten 
Thongefaßen gebildet ist, eine Construction, welche in sinnreicher Weise 
Leichtigkeit und Festigkeit vereinigt. Keineswegs aber bilden diese kleinen 
Amphoren, wie behauptet worden ist, eine Spirale-eine Construction, welche 
bei der KuPPel Voll S. Vitale in Ravenna und in der Sophienkirche in Kon- 
stantinopel im Großen angewandt worden ist. Vielmehr ist die Wölbung ein 
Tonnengewölbe, gebildet durch sieben in der Querlinie liegende Reihen von 
Amphoren. Hiernächst ist kurz die s. g. Oasa delle forme di creta, das 
Haus der Gypsformen (N0. 59 im Plane), zu nennen, welches seinen Namen 
der Auffindung ziemlich vieler Formen aus Gyps verdankt und wahrscheinlich
        

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