Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871397
Die Verschüttung Pompejis. 
früherer Zeit zugetragen hat, mag es auch den jedesmaligen Augenzeugen 
ungewöhnlich groß erschienen sein: dennoch möchte es, selbst alles zusam- 
mengenommen, im Vergleich mit dem, was sich in dem Jahre begab, von dem 
wir sprechen, gering zu achten Seim Es geschah nämlich Folgendes. Man 
glaubte viele große übermenschliche gewaltige Männer, wie man die Giganten 
malt, bald Ruf dem Berge, bald in dem umliegenden Lande und in den Städten, 
bei Tag und bei Nacht auf der Erde herumwandeln und in der Luft einher- 
schweben zu sehen. Darauf folgte eine furchtbare Dürre und plötzliche Erd- 
Stößev S0 dass dort der ganze Boden aufgeschüttelt wurde und die Höhen 
emPofsprangen. Und Töne vernahm man, theils unter der Erde donnerähnlich, 
theils über derselben wie Gebrülle; und zu gleicher Zeit brauste das Meer auf 
und hallte der Himmel wieder. Nach diesem hörte man plötzlich einen unge- 
heuern Knall, ols ob auch die Berge zusammenstürzten, und es fuhren zuerst 
übergroße Steine empor, so dass sie bis zum Gipfel selbst gelangten, dann 
Vieles Feuer und entsetzlicher Rauch, so dass die Luft ganz verdunkelt und die 
Sonne ganz verhüllt wurde, als wenn sie sich verfinsterte. So verwandelte 
sich der T'ag in Nacht und das Licht in Finsterniss, und Manche wähnten, die 
Giganten stünden auf (denn es erschienen wiederum allerlei riesige Gestalten 
im Rauch, und man vernahm Schall wie von Trompeten), Andere aber, die 
ganze Welt vergehe in Nichts oder in Feuer. Darum floh Alles, die Einen 
aus den Häusern auf die Straße, Andere von draußen in die Häuser, noch 
Andere von der See aufs Land und von diesem auf's Meer, bestürzt und jede 
Entfernung sicherer wähnend als den Ort, wo sie sich grade aufhielten. 
Während dies geschah, stürmte ungeheurer Aschenregen einher, welcher 
Land und Meer und die ganze Luft erfüllte. Dieser that an vielen Orten 
Schaden, wie und wo es sich grade traf, an Menschen, Land und Vieh, tödtete 
sämmtliche Fische und Vögel und Verschüttete sogar zwei ganze Städte, Her- 
culaneum und Pompeji, da eben die Bevölkerung der letzteren im Theater 
saß. Denn die Menge der Asche war so groß, dass ein Theil davon bis nach 
Afrika, Syrien und Aegypten und sogar bis nach Rom kam und hier die Luft 
erfüllte und die Sonne verdunkelte. Daher entstand denn auch in dieser Stadt 
eine nicht (geringe, viele Tage anhaltende Furcht, denn keiner wusste, was 
geschehen war, und keiner konnte es vermuthen; vielmehr meinte man auch 
hier, die ganze Welt kehre sich um und die Sonne sinke in die Erde und 
erlösche, die Erde aber erhebe sich in den Himmel. Damals that indess diese 
Asche dort keinen großen Schaden, später aber brach in Folge dessen eine 
furchtbare Pest ausai  
Weitere Aufklärung liefert uns die Untersuchung des noch jetzt vorlie- 
genden Thatbestandes. Eine Prüfung der 7 bis 9 Meter starken Decke Pom- 
Pejis ergiebt zuerst, dass dieselbe wesentlich einer Eruption des Vesuv, der- 
Jenigen vom Jahre 79, angehört, Welche durch die weiße oder weißgraue Farbe 
der von ihr gelieferten Lapilli sich von allen späteren unterscheidet. Damit 
soll nicht gesagt sein, dass in späterer Zeit keinerlei Aschenregen mehr auf 
POmpeji gefallen sei, es ist vielmehr an vielen Stellen das Vorhandensein 
Schwarzgrauer Lapilli Zeugniss späterer Eruptionen und die Überlagerung des 
Materials der Eruption von 79 durch späteres sehr bestimmt nachweisbar.
        

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