Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871383
Drittes Capitel. 
ohne Licht verglichen werden kann. Man hörte das Jammern von WVeibern, 
das Geschrei von Kindern und die Rufe von Männern; die einen riefen nach 
ihren Eltern, andere nach ihren Kindern, andere nach ihren Gatten; nur an der 
Stimme erkannten sie sich. Einige beklagten ihr eigenes Schicksal, Andere das 
der Ihrigen. Einzelne wünschten aus Todesfurcht zu sterben, Viele erhoben ihre 
Hände zu den Göttern, aber die Meisten glaubten, auch mit den Göttern sei es 
jetzt aus, und es sei dies die letzte und ewige Nacht, das Ende der Welt. Auch an 
solchen fehlte es nicht, welche die wirklichen Schrecknisse durch eingebildete 
vermehrten : Misenum hieß es, sei theils eingestürzt, theils stehe es in Flammen: 
unwahre Nachrichten, die aber doch geglaubt wurdenx WVir haben die Schil- 
derung dieser Scenen beigefügt, weil sie uns ein Bild dessen geben, was, und 
sicher in erhöhtem Maße, unter der unglücklichen Bevölkerung Pompejis vor- 
ging. nDann wurde es etwas heller: uns schien dies ein Anzeichen nicht des 
wieder anbrechenden Tages, sondern des sich uns nahenden Feuers. Das Feuer 
blieb uns nun freilich fern; die Finsterniss trat wieder ein, neuer und schwerer 
Aschenregen folgte, den wir von Zeit zu Zeit abschüttelten um nicht von ihm 
begraben und erdrückt zu werden    Endlich lichtete sich diese fürchter- 
liche Finsterniss nach und nach und verwandelte sich in eine Art Rauch oder 
Nebel; bald wurde es dann auch wieder völlig Tag, und selbst die Sonne 
erschien am Himmel, obgleich nur sehr blass, so etwa wie bei einer Sonnen- 
iinsterniss. Jeder Gegenstand, der sich unseren Blicken bot, war verändert, 
indem er mit Asche wie mit einem tiefen Schnee bedeckt wana 
Ergänzend tritt diesem Berichte zur Seite, was der Historiker Cassius Dio 
(lib. 66, c. 22 sq.) um 200 n. Chr. unter Commodus erzählt. Freilich aber 
stammt sein Bericht offenbar aus den Erzählungen minder kaltblütiger Beob- 
achter, und zeigt den Einfluss der in Folge eines so erschütternden Ereignisses 
nothwendig eintretenden Mythenbildung. vIn Campanien folgten schreckliche 
und seltsame Ereignisse. Nämlich im Herbst desselben Jahres brach auf ein 
Mal ein großes Feuer aus. Der Berg Vesuvius liegt nah am Meere bei Nea- 
Polis, und hat reichliche Feuerquellen. Früher war er überall gleich hoch und 
das Feuer stieg mitten aus ihm empor. Denn nur hier ist er in Brand gekom- 
men, die ganze Außenseite ist aber auch bis jetzt feuerlos geblieben. Weil 
sich nun diese nie entzündet hat, der innere Theil aber am Feuer verdorrt 
und zu Asche wird, so haben die Gipfelwände rings umher noch jetzt die 
ursprüngliche Höhe, die ganze Brandstätte aber ist von der Zeit verzehrt und 
durch das Zusammenfallen hohl geworden, dergestalt, dass der ganze Berg, 
wenn man Kleines mit Großem vergleichen darf, einem Schauplatze für Thier- 
gefechte ähnlich ist. Und zwar enthält seine Höhe viele Baum- und WVein- 
Pflanzungen, der Kreis aber ist dem Feuer überlassen und giebt am Tage 
Rauch von sich, bei Nacht aber eine Flamme, so dass es aussieht, als würde 
in ihm viel Räucherwerk aller Art angezündet. Und das geschieht immer so, 
bald stärker bald wieder schwächer; oft stößt er auch Asche aus, wenn viel 
auf einmal eingesunken ist, und wirft Steine empor, wenn er vom Dampfe 
überwältigt wird; dann tost und brüllt er, weil er nicht feste, sondern Schmale 
und verborgene Luftöifnungen hat. Das ist die Beschaffenheit des Vesuvius 
und solches geschieht auf ihm fast jedes Jahr. Alles andere aber, was sich in
        

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