Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875297
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Haus des Popidius Secundus. 
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kegelförmige Gestalt des Berges macht es wahrscheinlich, dass mit ihm 
der Vesuv gemeint ist; doch ist die Darstellung so kunstlos, dass unsere 
Kenntniss von dem Aussehen desselben vor dem Ausbruch durch si.e nicht 
wesentlich gefördert wird. Diese ganze Ecke des Atriums ist durch eine Brü- 
stungsmauer abgetheilt, innerhalb welcher ein kleiner tragbarer Altar (eine 
viereckige Steinplatte auf einem cylinderförmigen Fuß) gefunden wurde 150). 
Zwischen dieser Brüstung und der Thür zum Peristyl, ebenso auch an der 
rechten Atriumswand und an der Straße links vom Eingang 48 sind gemauerte 
Bänke angebracht. 1m Atriurn fand man das Gerippe eines Esels und Reste 
des Geschirrs, wodurch die Annahme wahrscheinlich wird, dass 52 (da an 
keinen andern Raum gedacht werden kann) ein Stall war. In der Küche 53 
bemerken wir den sehr großen Heerd; außer einigem andern Geräth fand man 
hier eine Thonamphora, welche laut der darauf gemalten Inschrift mulsum, 
d. h. mit Honig angemachten Wein, enthielt. 
Wir müssen es dahin gestellt sein lassen, 0b die zuletzt besprochene Ab- 
theilung des Hauses (48-53) von der Dienerschaft bewohnt war, oder 0b hier 
vielleicht ein Gasthaus (hospitium) mit Schenkwirthschaft gehalten wurde. 
Für letztere Annahme könnte geltend gemacht werden, dass das den Bacchus 
neben dem Vesuv darstellende Gemälde so angebracht ist, dass es, wenn die 
Thür bei 48 offen stand, den auf der Straße Voriibergehenden in die Augen 
fallen musste und so den Dienst eines den nVesuvweinu ankiindigenden Aus- 
hangeschildes leisten konnte. Doch werden wir wohl, in Anbetracht der 
Verbindung dieser Raume mit den Wohnräumen, jene andere Annahme für 
wahrscheinlicher halten. 
Auf den vorhergehenden Blättern ist eine Auswahl der gewöhnlichen 
kleineren und größeren ein- oder zweistöckigen pompejanischen Wohnhäuser, 
und zwar eine Reihe der norrnalsten Pläne, sowie der durch besondere Eigen- 
thümlichkeiten ausgezeichneten beschrieben worden, welche zur Vergegen- 
wärtigung der Verschiedenheiten in Anlage und Decoration genügen müssen, 
da es unmöglich ist, wenn nicht dieser Band gar zu sehr anschwellen und die 
Geduld seiner Leser auf eine gar zu harte Probe stellen soll, eine noch größere 
Anzahl pompejanischer Häuser im Einzelnen zu besprechen. Nur noch eines 
derselben muss seines ganz besonders eigenthümlichen, durch die Vereinigung 
mehrer Häuser entstandenen Planes wegen hier in Betracht gezogen werden. 
Dies ist 
(N0. 25.) die domus Popidii Secundi Augustiani (I, 4, 5; Plan 
N0. 118), früher Casa del citarista genannt. Schon in der 'l'ui'fperiode wurde 
der südliche Theil des Hauses, das Atrium 6 und die Peristylien 17 und 32 
umfassend, auf dem Boden mehrer älteren Hauser erbaut. In römischer Zeit 
kamen dann die Räume 19-30 und der nördliche Theil (47, 56) hinzu und 
erhielt das Haus eine Decpration zweiten Stils, von der nur wenig erhalten 
ist. Auf einige Veränderungen, namentlich am Peristyl 56, folgte dann eine 
Decoration dritten Stils, und endlich wurden, wiederum nach einigen Ver- 
änderungen (am Atrium 47) einzelne Räume im letzten pompejanischen Stil 
ausgemalt. 
An der Front dieses Hauses an der St-rada Stabimza, dessen Ausgrabung
        

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