Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875289
358 
Viertes Capitel. 
erhalten; die übrigen sind ganz oder theilweise zerstört worden durch die 
Anlage der Thür zu 42 und dadurch, dass man in dem innern Theil des Zim- 
mers hier in der letzten Zeit Pompejis viereckige Löcher in den Bewurf schnitt, 
diese mit frischem Stuck ausfiillte und Bilder von geringem Kunstwerth darauf 
malte (Theseus nach Tödtung des Minotaur, Hermaphrodit und Silen, Iphi- 
genia, Orestes und Pylades in Tauris; Sogliano 530, 596, 585), welche zu der 
ganzen Decoration wenig passen und von dem Abwärtsgehen des Geschmackes 
ein deutliches Zeugniss ablegen 149). 
Die zweite Gruppe, 44, 45, 46, 47 ist eine Badeanlage. 44 ist das kalte 
Bad, mit dem großen Bassin 44a, zu welchem man über eine Treppe hinauf- 
stieg. Dieser Baum war unbedeckt, und von ihm erhielten 49 und 53 ihr 
Licht. Jedoch sprang aus der für den Eintretenden rechten YVand ein Dach 
vor, welches eine schmale Passage von 22 zu 45 bedeckte; ferner wurde in 
der Nähe des Bassins ein baldachinartiges Dach von der Eingangswand und 
zwei Säulen getragen, offenbar bestimmt, den sich Aus- und Ankleidenden 
Schutz zu bieten. Die Malereien der Wände, im letzten Stil, sind von ge- 
ringem Interesse; wir bemerken jedoch, dass die Wände des bedeckten Theils 
an der rechten Wand ihr besonderes Muster haben, und dass über dem Bassin 
aegyptische Landschaften mit wenig Farben auf gelben Grund gemalt sind. 
45 ist das zum Schwitzbad gehörige Apodyterium, 46 das Tepidarium, 47 das 
Caldarium. Beide letztgenannten Räume liegen oberhalb des im Keller be- 
findlichen Backofens und daher wesentlich höher als 44. Weil 45 den Zugang 
vermitteln musste, ist auch sein Fußboden, als es, wie oben bemerkt (S. 357), 
nachträglich zum Bade gezogen wurde, etwas erhöht worden; vorher war ohne 
Zweifel 46 über eine Treppe von 44 aus zugänglich. Die Heizung der beiden 
mit hohlen Fußböden und Wänden versehenen Räume 46 und 47 wurde 
von der Küche 53 aus besorgt. Beide sind im letzten Stil ausgemalt; der 
Fußboden von 46 besteht aus schwarzweißem Mosaik, in welchem Fische 
dargestellt sind; der von 47 bestand aus rautenförmigen Marmorplatten, 
Welche aber durch antike Ausgrabungen fast alle entfernt worden sind. Dieser 
letztere Raum hat gegen die Straße eine halbrunde (auf dem Plan irrthümlich 
eckige) Nische, in der wir die sclzola Zabm" erkennen; die andere Nische ent- 
hielt eine gemauerte Wanne. 
Die dritte Gruppe besteht aus einem bedeckten Nebenatrium 49, drei 
Schlafzimmern 51, einem Abtritt 50, einem Local unsicherer Bestimmung 
(vielleicht einem Stall) 52, einer Küche 53 und einem unter 53, 46 und 47 
liegenden Keller, welcher unter 47 einen Backofen enthält und zugänglich ist 
flllYch einen schmalen, schräg abwärts führenden Gang neben dem eben so 
schmalen: Welcher schräg aufwärts in die etwas erhöht liegende Küche fuhrt. 
Am Atrium liegt links eine Treppe zu oberen Räumen; das in der rechten 
hintern Ecke angebrachte Larenheiligthum besteht aus einer für kleine Bronze- 
figuren der Hausgötter bestimmten Nische und aus Malereien, welche auf der 
rechten Wand neben der Nische die Laren, auf der Rückwand einen mit Reben 
bepflanzten Berg, und neben demselben den seinen Panther tränkenden 
Bakchos darstellen, welcher ganz in Trauben wie in ein Gewand eingehüllt 
ist (abgeb. Gaz. 7111671402. 1880 Taf. II, Not. degli Scaci 1880 Taf. VII). Die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.