Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875275
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa del Centenario. 
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neben einer rohen Zeichnung eines Gladiatorenkampfes eingeritzte Inschrift: 
Ojßciosusfugit VIII Mus nov. Druso Caesare M. Iumb Silano cos.  Auf der 
Rückseite des Impluviums steht ein kleiner Tuffpfeiler, von dem wohl ehemals 
eine Brunnenfigur einen YVasserstrahl in das Impluvium fallen ließ. 
Der schiefwinklige südwestliche Theil des Hauses enthält drei bestimmt 
geschiedene Gruppen von Räumlichkeiten, Welche durch den Gang 22 unter 
einander und mit den übrigen Räumen verbunden werden. Die erste der- 
selben, bestehend aus den Zimmern 40, 41, 42, 43, ist von 22 aus durch den 
Gang 39 zugänglich, und War für die Gelage und Vergnügungen des Haus- 
herrn bestimmt : 41 ist ein großes und schönes Triclinium; 43 enthält obscöne 
Malereien, Welche über den Charakter der Vergnügungen, denen dies Zimmer 
gewidmet war, keinen Zweifel aufkommen lassen; 42 ist nur ein Vorraum zu 
43; für 40 lässt sich kein bestimmter Zweck nachweisen. In einer frühem 
Periode bestand diese Gruppe aus den Zimmern 40, 41, 45, welches letztere 
damals nicht mit 44 und 46, sondern mit 39 durch eine Thür in Verbindung 
stand, während 42 und 43 nicht von 41, sondern nur von 25 aus zugänglich 
waren. So kommt es, dass 42 und 43 im letzten pompejanischen Stil aus- 
gemalt sind, während 40, 41, 45 die älteren Malereien im nCandelaberstila 
bewahrt haben, und zwar 40 und 45 auf weißem, 41 auf schwarzem Grunde. 
Die Malerei des Tricliniums 41 (welches auch durch die alenartigen 
Erweiterungen seines vordern Theils merkwürdig ist) verdient eine beson- 
dere Erwähnung als eines der schönsten und reichsten Beispiele des genannten 
Stils. Mit seiner schwarzen Wandfläche und seinem ebenfalls schwarzen Fuß- 
boden, in welchem eingelegte weiße Steinchen ein Muster bilden, müsste das 
Zimmer einen ungemein ernsten, fast finstern Eindruck machen, wenn nicht 
die zwar sparsamen und zarten, aber in lebhaften Farben sich kräftig abheben- 
den Einzelheiten der Wandbemalung dem erfolgreich entgegen wirkten. Ein 
rother Streif zieht sich am Fußboden entlang; weiter wird der Sockel durch einen 
grünen gemalten Carnies, die Hauptiläche durch zwei einen Fries einschließende 
gemalte Gesimse abgeschlossen, deren geschwungenes Profil ohne horizontale 
Gliederung mittels Abschattirung aus Violett durch Weiß zu Grün mehr an- 
gedeutet als eigentlich dargestellt ist; den obern Abschluss der ganzen Wand 
bildet über einem schmalen hellen Ornamentstreif ein etwas breiterer hellrother 
Streifen. In horizontaler Richtung werden die Wände getheilt durch dünne 
Säulen und einfache Candelaber, beide in Grün gemalt; von den so ent- 
stehenden Feldern ist das Mittelfeld der Hauptßäche jeder der drei Wände 
des engern und innern Theils zinnoberroth, das der Straßenwand und der 
gegen 42 in welche die Thür erst später gebrochen wurde) gelb. Jedes dieser 
Mittelfelder enthielt eine ziemlich groß ohne Einrahmung auf den rothen 
resp. gelben Grund gemalte genrehafte Gruppe: in den übrigen, schwarzen 
Feldern ist in viel kleineren Verhältnissen e eine weibliche Figur mit aegypti- 
sehen religiösen Symbolen und Geräthen dargestellt; der Fries enthält ab- 
wechselnd tragische und komische Theaterscenen, endlich der obere Wandtheil 
kleine, als Tafelbilder gedachte Gemälde mit Genrescenen. Die vorwiegenden 
Farben aller dieser Darstellungen sind Violett, Gelb, Grün, Hellblau. Von den 
Gruppen der Mittelfelder ist nur die der Straßenwand, eine Opferscene, ganz
        

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