Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875260
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Viertes Capitel. 
Theaterscenen enthielt, von denen drei erhalten sind. In der linken Vorder- 
ecke stand die Geldkiste, deren Platz durch den Randstreifen des schwarz- 
weißen Fußbodenmosaiks bezeichnet ist. Die rechte Ala ist, wie so häuiig, 
zur Aufstellung eines sie ganz ausfüllenden großen Schrankes benutzt werden, 
und zwar erst nachdem sie im Stil der letzten Zeit ausgemalt worden war. 
Hinter dem Impluvium führt eine enge Treppe in einen Kellerraum, Welcher 
sich bis unter die vordere Halle des Peristyls erstreckt. 
Es scheint, dass der Hausherr dem Dienst aegyptischer Gottheiten ergeben, 
und dass diesem Dienst das erste Zimmer links am Atrium gewidmet war. 
Hier ist nämlich in der Mitte eines jeden der weißen Wandfelder eine aegyp- 
tische Götter- oder Priesterfigur in ebenso unkünstlerischer Wie ausführlicher 
Weise gemalt, während im übrigen die Decoration von äußerster Einfachheit 
ist. Man fand hier ein Sistrum aus Bronze und eine Bronzescheibe von 0,16 M. 
Durchmesser, auf welcher in Hochrelief eine Weibliche Büste dargestellt ist, 
deren Kopf mit der Kopfhaut eines Elephanten bedeckt ist. Die übrigen das 
Atrium umgebenden Zimmer (3) erläutern in sprechender Weise die schon 
oben (S. 260) gemachte Beobachtung, dass sich in der Kaiserzeit das Leben 
vom Atrium in die hinteren Räume zurückzog: sie dienten als Vorrathskam- 
mern und waren, wie die in den Wänden erhaltenen Löcher beweisen, mit 
Brettgestellen versehen. Dass sie aber einst als Wohnräume dienten , beweist 
der schöne Fußboden des zweiten Zimmers rechts, in dessen opus Signinum 
ein Muster aus weißen Steinchen eingelegt ist, durch welches an der linken 
Wand der Platz eines Bettes bezeichnet wird. Das Zimmer war also ein Schlaf- 
zimmer, aber von solcher Geräumigkeit, dass es unmöglich etwa für einen 
Selaven bestimmt sein konnte. Diese ausgedehnten Vorrathskammern, im 
Verein mit den zum Theil offenbar für ähnliche Zwecke bestimmten Räumen 
38, legen die Vermuthung nahe, dass der Hausherr Handelsgeschäfte trieb 
und hier sein Waarenlager hatte. 
Während man durch das Hauptatrium 2 nur in das Peristyl gelangte, 
führte das Nebenatrium 16 (an dem auch einige Cubicula 17 und apotlzecae 
14, 15 liegen) zu den verschiedensten Theilen des Hauses. Das Tablinum 
'21 fuhrt in das Peristyl; der auch aus diesem zugängliche Corridor 22 zu den 
verschiedenen Räumen auf der Südwestseite des Hauses, die rechte Ala 19 in 
den Hof oder Garten 25 von unbekannter Bestimmung. Drei Treppen führten 
in das Obergeschoss: die links am Atrium (neben 20) auch zu den Räumen 
über den das Hauptatrium umgebenden Zimmern, 2-1 zu den oberen Zimmern der 
Südwestseite, endlich eine dritte in 25 (von der die Aufmauerung an der Nord- 
westmauer ein Rest ist) zu den über 18, 19 und den Läden an der Nolaner 
Straße gelegenen Räumen: es ist hier ganz besonders klar, wie das Haupt- 
atrium alS stattlicher Eingang, das Nebenatrium zu praktischen Zwecken 
diente. 
Demgemäß War das letztere in'der letzten Zeit sehr vernachlässigt (die 
Vvällde hätten nur einen ganz rohen schwarzen Bewurf), früher zwar nicht 
ohne Sorgfalt und Geschmack, aber doch nur einfach decorirt, wie die in 19, 
20 und 21 erhaltene Malerei im vCandelaberstila beweist. Dass die letztere 
mindestens älter ist als das Jahr 15 n. Chr., beweist eine in die Wand von 20
        

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