Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875254
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa de! Centenario. 
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Die Säulengänge des Peristyls hatten nur auf der Vorderseite (oben auf 
dem Plan) ein oberes Geschoss, wie die beistehenden Durchschnitte zeigen; 
Die uncannelirten Säulen sind bis zur Höhe von 1,47 M. roth, dann über 
einem schmalen grünen Streifen weiß, mit einem blauen Streifen unter dem 
Capitell, welches von der dorischen Form abgeleitet ist, aber ein zierlich ge- 
gliedertes Profil hat; das einfach geformte Gebälk ist über einer Holzbohle 
aufgemauert. Die Säulen waren durch ein Holzgitter verbunden; an jeder 
derselben finden sich, auf der dem Viridarium zugewandten Seite, Reste von 
zwei eisernen Nägeln oder Haken, welche ohne Zweifel zum Aufhängen Von 
Vorhängen dienten. 10 ist eine Piscina, an deren gerundeter Seite auf einer 
kleinen Tuffbasis eine sehr schöne Bronzestatuette (jetzt im Nationalmuseum) 
stand, einen Satyr darstellend, welcher aus einem Schlauch den Wein aus- 
laufen lässt: aus der Öffnung des Schlauches ergoss sich ein Wasserstrahl in 
die Piscina. Die decorativ wirkungsvolle und auch in manchen Details schöne 
Malerei der Peristylwände, letzten Stils, ist nur auf der Südwestwand erhalten: 
die großen gelben, violettroth geränderten, durch phantastische Architektur- 
prospecte getrennten Felder enthalten jedes in der Mitte ein Bild, und zwar 
zwei größere Bilder, deren eines die Befreiung der Andromeda durch Perseus 
darstellt, das andere Bauern oder Hirten, welche mit Steinen und Stöcken 
einer Frau zu Hülfe eilen, welche in einem Teich, in der Nähe von Gebäuden, 
von einer Schlange in ihren Windungen gehalten wird: wahrscheinlich eine 
Parodie der vorigen Darstellung. Die übrigen Bilder sind kleiner und ent- 
halten Götterattribute. Unter jedem der erwähnten Architekturprospecte ist 
in schwarzem Felde ein geflügelter Kopf gemalt; einer derselben ist besonders 
gut erhalten und meisterhaft ausgeführtßs) z wahrscheinlich haben wir in ihnen 
Windgötter zu erkennen.  
33 war, wie schon erwähnt, ein kleiner Garten, rechts und hinten durch 
den bedeckten Gang 34 (auf dem Plan schrafiirt) verengt. A11f dem vordern 
Rande dieses letztern steht eine mit buntfarbigem Mosaik bekleidete Brunnen- 
nische, aus welcher ein Wasserstrahl über eine weiße Marmortreppe in eine 
geräumige, innen blau ausgemalte Piscina fiel; eine in der Nähe gefundene 
kleine Marmorstatue eines Hermaphroditen stand wahrscheinlich in der Nische. 
Die Malereien der Wände, aus der letzten Zeit Pompejis, sind nicht eben sehr 
geschmackvoll. Sie stellen thcils die hinter einer Mauer sichtbaren Piianzen 
eines Gartens dar, theils sieht man in einem 0,57 M. hohen, bis an den obern 
Rand der Vorderwand des Ganges 34 reichenden Streifen wie in einem Aqua- 
rium allerlei Seethiere: Fische, Muscheln, Hummer und Polypen, zum Theil 
im Kampf mit einander. 
In Betreff der übrigen Zimmer heben wir hervor die Wanddecorationen 
von 7 und 8, deren Wandfelder, dort weiß, hier schwarz, mit Arabesken um- 
säumt sind, besonders hübsch in 7 ; ferner das eine Gorgonenmaske darstel- 
lende Fußbodenmosaik von 12. 
  Den Hauptzugang zu diesem centralen Theil der Wohnung bildet das 
Haupt- und Repräsentationsatrium 2, welches dieser seiner Bestimmung ent- 
sprechend nebst Alae und Ostium im Stil der letzten Zeit gut ausgemalt ist 
und auf seinen rothen Wandfeldern theils schwebende Figuren, theils vier 
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