Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875231
Die H-ivatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa del Centenario. 
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Traufrinnen, von denen eines ein vollständiges Löwenvordertheil mit einem 
Blatt als Ausguss darstellt, ähnlich wie in der Traufrinne oben Fig. 143. An 
der hintern Seite des Gartens liegen von rechts nach links zunächst zwei kleine 
Zimmer ohne Schmuck 45 und 46; vermuthlich war 46, WO das Muster des 
Fußbodens aus Signinum den Platz des an der Straßenwand stehenden Bettes 
bezeichnet, die Cella des Thürhüters, 45 dagegen die des Gärtners. Sodann 
das Posticum 47 auf den Vicolo di rllercurio, neben dem in 48 eine Treppe zu 
einigen oberen Räumen des großen Peristyls lag; ferner eine breite, wohl zur 
Aufstellung von Statuen bestimmte, heute aber zur Aufbewahrung architekto- 
nischer Ornamente benutzte, über den Boden des Umganges erhöhte Nische 
49, mit zwei Cabinetten 48 a und 48 b zu den Seiten, welche durch hölzerne 
Treppen zugänglich gewesen sein müssen und von denen 48 a, wie die erhal- 
tenen Bretteindrücke und Löcher zeigen, als Vorrathskammer diente. Weiter 
links folgt eine Erweiterung des Umganges, von der aus unter 48 b die Öffnung 
einer gewölbten Kloake sichtbar ist. Endlich an der Hinterwand zwei kleine 
Lararien 50 und 51, Nischen von flachen Giebeln gekrönt. Merkwürdig ist 
in einer so großen Wohnung das Fehlen von Zimmern, welche sich durch 
Lage und Bauart als Wintertriclinien zu erkennen geben. 
Von den in diesem Hause in sehr großer Zahl gefundenen Gegenständen 
verdienen einige versilberte Thürschlösser, bronzene Thürbeschläge mit 
mannichfaltigen Reliefornamenten, sowie Ornamente verschiedener Mobilien 
von demselben Metall, silberne Casserolen und Schalen und dergl. hier zum 
Schlüsse noch erwähnt zu werden, da auch diese Dinge von dem Reichthum, 
welcher in diesem Hause herrschte, Zeugniss ablegen. 
(N0.  In den Jahren 1879 und 1880 wurde in der neunten Region, 
östlich der Insulae 5 und ß, ein großes und in vielfacher Weise interessantes 
Haus (N0. 108 b im Plan) aufgedeckt, welches man, Weil dort bei der im Jahre 
1879 veranstalteten Erinnerungsfeier an die Verschüttung Pompejis Ausgra- 
bungen gemacht wurden, Casa del Uentenario, oder nach einer daselbst ge- 
fundenen Bronzestatuette Casa del Fauna ubbriaco nennt. Wir sind in der 
glücklichen Lage, von demselben nicht nur den Grundriss, sondern auch den 
Längen- und Querschnitt nach einer in allen Wesentlichen Punkten sicher rich- 
tigen Restauration zu geben. Es stammt in seiner uns vorliegenden Gestalt 
im Wesentlichen aus römischer, aber wahrscheinlich noch republikanischer 
Zeit; seine Malereien zerfallen in zwei Classen: die älteren sind Vermuthlich 
dem Bau des Hauses gleichzeitig, jedenfalls aber, nach dem Zeugniss einer 
noch zu erwähnenden Wandinschrift, älter als das Jahr 15 n. Chr. ; sie gehören 
einer dem dritten Stil verwandten Manier (nCandelaberstila) an. Diese Male- 
reien sind aber in den meisten, und namentlich in den bevorzugten Räumen, 
durch Decorationen verdrängt worden, welche den Stil der letzten Zeiten 
Pompejis zeigen 147). 
Ein Blick auf den Plan (Fig. 178) zeigt, dass wir hier im Großen und 
Ganzen dieselbe Anordnung haben, welcher wir in der Oasa de! Laberinto und 
del Fauna (No. 22 und 23) begegneten: ein Haupt- und ein Nebenatrium, ein 
Peristyl hinter beiden, hauptsächlich aber hinter dem Hauptatrium, Wirth- 
schaftsräurne neben dem Peristyl auf der Seite des Nebenatriums. Das Cen- 
Overbeck, Pompeji. LAuß. 23
        

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