Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875183
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Viertes Capitel. 
sehen Säulen auf 0,5 M. hohen viereckigen Basen zwischen den Antenpfeilern, 
vom Garten durch eine Brüstungsmauer getrennt, ist ein Heiligthum der Kunst; 
hier wurde am 24. October 1831146] das wunderbare Mosaik der Alexander- 
schlacht gefunden, ein ganz einziges Kunstwerk, welches nach dem Vorgänge 
der größten Gelehrten und Kunstkenner zu würdigen und zu erläutern in dem 
artistischen Theile dieser Betrachtungen versucht werden soll. In der rechten 
Ecke des Peristyls führt ein faucesartiger Durchgang 38 in den säulenum- 
gebenen Garten 39 von 32 x 35 M., mit dem Umgange von 4 W. Breite und 56 
gemauerten und mit feinem, weißem Stucco bekleideten, flach cannellirten 
dorischen Säulen, zu deren Füßen eine Wasserrinne das Wasser in die Cisterne 
führte, aus der man dasselbe durch zwei Öffnungen 40 und 41 schöpfte. Nur 
bei 40 ist ein schönes Puteal aus Marmor erhalten, an dessen oberem Rande 
Reste von Eisenkrampen sichtbar sind, von denen man annimmt, dass sie zur 
Befestigung eines Deckels dienten. Neben diesem Puteal hat vor Alters ein 
marmorner Tisch gestanden, von dem man leider nur einen Fuß, eine hockende, 
geflügelte Sphinx, gefunden hat, die zu den besten Werken der Sculptur ge- 
rechnet werden kann (abgeb. im artistischen Theile). Im Umgange links 
stehn noch an Ort und Stelle eine Masse von Weinamphoren. In den Säulen 
des Umgangs fand und sieht man zum Theil noch heute eiserne Nägel oder 
Haken; vielleicht ruhten auf ihnen die Stricke, an denen die Vorhänge, durch 
welche man bei heißem Sonnenschein den Umgang gegen den Garten ab- 
schließen und anmuthig beschatten konnte, hin und her gezogen wurden, wie 
dies auf einigen Wandgemälden, z. B. im Zimmer 46 der Uasa del Laberinto, 
ersichtlich ist. Auch die Ringe, durch welche die Schnüre zum Ziehen der 
Vorhänge liefen, hat man in jeder Säule etwa 1 M. vom Boden, wo man jetzt 
die Löcher sieht, vorgefunden. Derselben Einrichtung sind wir schon in der 
Oasa di Meleagro begegnet, und auch die dort besprochene Vergitterung der 
Intercolumnien wiederholt sich hier. Ein oberer Umgang war, wie in der 
Siidostecke deutlich erkennbar, nicht vorhanden, und es müssen daher die 
hier aufbewahrten Reste kleinerer ionischer Säulen dem obern Umgange des 
Peristyls 36 angehört haben. 
Neben der Exedra des Peristyls liegt links gegen den Garten geöffnet ein 
Oecus 42, dessen Fußboden abermals ein bewunderungswiirdiges Mosaik ent- 
hält, das leider arg beschädigt ist und deshalb nicht hat in das Museum ge- 
schafft werden können, abgeb. Mus. Borb. Vol. IX, 55. Dasselbe stellt inner- 
halb einer reichen Maeanderborde einen von vorn gesehenen Löwen dar, ein 
Meisterstiick des Ausdrucks von Kraft und Feuer und ein eben so großes 
Meisterstiick der Verkürzung. Das neben diesem Oecus und am Ende des langen 
Ganges 19 belegene kleinere Gemach 43 ist theils wegen seiner architektonisch 
gegliederten Decoration zweiten Stils, theils deswegen bemerkenswerth, weil 
in ihm eine ähnliche Maßregel zum Trockenhalten der Wände angebracht ist, 
wie die Oben erwähnte, nur dasshier die Bleiplatten durch solche von gebrann- 
tem Thon ersetzt sind. Die ohne Zweifel mit einem großen Fenster ( die beiden 
jetzt vorhandenen sind modern) auf den Gartenumgang geöffnete Saal 44 links 
vom Oecus enthält jetzt eine Anzahl von zum Theil sehr interessanten Frag- 
menten der Stuccoornamentirung dieses Hauses nebst Stücken von thönernen
        

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