Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875123
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Viertes Capitel. 
thische Oecus 43 von 6,70)( 6,80 M., dessen Fußboden von weißem, farbig 
umrandetem Mosaik ist und in der Mitte ein Quadrat aus farbigen Marmor- 
platten enthält, und an deren WVänden entlang, ähnlich wie in der Oasa d! 
Meleagro, zehn mit weißem Stucco überkleidete Backsteinsäulen stehn, deren 
Function und Verhältniss zur Zimmerdecke bei der Zerstörung der oberen 
Theile nicht kenntlich ist. Die Wände sind mit barocken und nicht allzu 
geschmackvollen Architekturen bemalt, haben aber sehr gelitten. Sehr eigen- 
thiimlich sind die beiden kleinen gewölbten und nur durch ganz kleine Fenster 
in den Liinetten erleuchteten Cabinette 44 und 45 (ersteres etwas größer; der 
Plan ist nicht genau), welche sich zu beiden Seiten im Hintergrunde in den 
Oecus öffnen. Über ihre Bestimmung kann man nur die ähnlichen Räumen 
gegenüber schon hier und da ausgesprochene, natürlich nicht beweisbare Ver- 
muthung aufstellen, dass ihrer eines als Zimmer zum Vorlegen und Warmhalten 
der Speisen, das andere als Wartezimmer frir die J ongleurs, Tänzer, Akrobaten, 
Mimen u. dgl. Künstler diente, die man nach den Gastmählern auftreten 
ließ. Den Schluss der Gemächerreihe bildet ein schönes, weit offenes Zimmer 
(exedra) 46 mit einer Nische für die Ruhebank im Hintergrunde. Hier wie 
in 44 und 45 ist an den YVänden farbiger Marmor und Alabaster nachgeahmt 
und darüber liegt in der Nische ein Fries mit einfarbig gelb, grün und braun 
gemalten Brustbildern (Hlbg. N0. 601. 1526) und kleinen scherzhaften Figuren 
(Hlbg. N o. 1527). Der Fußboden besteht aus schachbrettartigem Mosaik. 
(N0. 23.) Als ein in mancher Hinsicht in seinem Plane verwandtes, aber 
besonders durch die Eigenthiimlichkeit seiner Decoration und durch seine 
große Vornehmheit sich auszeichnendes Haus, welches zugleich zu den be- 
riihmtesten und meistgenannten der Stadt gehört, möge hier auf die Casa de! 
Laberinto das Haus N0. 46 im Plane folgen, welches man 1830 in Gegenwart 
von Goethes Sohn auszugraben begann, und zu Ehren dieses und seines, großen 
Vaters eine Zeit lang Oasa d! Goethe nannte, ein Name, den wir Deutsche 
nicht ganz in Vergessenheit gerathen zu lassen Ursache und Recht haben, ob- 
gleich man sich seiner an Ort und Stelle nicht mehr erinnert. Denn jetzt sind 
zwei andere Namen für dies Haus im Schwange, nämlich entweder Casa d e! 
Fauna nach einer kleinen Meisterstatue eines tanzenden Fauns, oder C asa 
de! grau musai c 0 nach dem großen Mosaik der Alexanderschlacht, auf 
welches wir zurückkommen. Aber nicht allein dieses wundervolle Mosaik- 
gemälde zierte die Oasa de! gmn musaico ; dieselbe enthielt noch mehre andere 
ebenfalls vorzügliche Mosaiken, und ist eben durch diesen Vielfachen Mosaik- 
schmuck und die dem ersten Decorationsstil angehörende Stuccoornamentik 
ihrer WVände bei geringfügiger Wandmalerei von den meisten anderen Häusern 
Pompejis unterschieden. Zahlreiche Amphoren für Weinbewahrung, welche 
nlall in diesem Hause fand und noch heutzutage an der linken Wand seines 
Peristyls Sehn kann, können zu der freilich sehr unsichern Vermuthung Anlass 
geben, dass sein letzter Besitzer Weinhandel trieb. Das Haus nimmt, wie das 
des Pansa, eine "ganze insula (VI, 12) ein, ohne wie jenes rings von Läden 
Ilmgeben und durch Vermiethete Räumlichkeiten beschränkt zu sein; der 
Haupteingang ist von der Nolaner Straße. 
Auch dies Haus ist in der Tuffperiode, nach vollständiger Wegräumung
        

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