Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875110
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
N0 22. Casa del Laberivzto. 
345 
dieser vordem Abtheilung noch ein großes Sommcrt-riclinium 35, welches 
gegen die Ala wie gegen das Peristyl und gegen das anstoßende Zimmer 38 
hin durch breite Fenster geöffnet ist; es ist im letzten Stil auf vorwiegend 
rothem Grunde ausgemalt und hat einen weißen Mosaikfußboden mit 
schwarzem Rande. 
Das Peristylium 36, welches einschließlich des 4 M. breiten Säulenganges 
23,20 x 26,50 M. misst, dürfte wohl eines der größten in Pompeji sein. Die 
dreißig dorischen Ziegelsäulen, welche die Decke des Umgangs trugen, sind mit 
feinem weißem Stucco iiberkleidet; ihnen entsprechen an den Wänden beider 
Seiten flache Wandpilaster. Von farbiger Decoration dieses weiten Umgangs ist 
nichts erhalten ; doch war sie zur Zeit des zweiten Stils sicher vorhanden. Eine 
Piscina findet sich nicht im Peristylhofe, nur eine Cisternenöffnung h sehn wir 
anlder hintern Säulenreihe ; in der Mitte der vordern Reihe steht ein Monopo- 
dium aus grauem Marmor. Es ist nicht anders zu denken, als dass der Hofraum 
zum Garten benutzt war. Man denke ihn sich bepflanzt mit schattigen Baum-  
gruppen, unter denen für buntfarbige Blumen, für welche man in Pompeji nach 
dem Zeugniss der Gemälde viel Sinn hatte, Raum und Licht genug bleiben 
mochte, eingefasst von den dreißig weißglänzenden Säulen, umgeben von dem 
schönen breiten und schattigen Umgang, man denke sich darüber den blauen 
Himmel und die glänzende Sonne Süditaliens ; alsdann wird man sich vielleicht 
eine Vorstellung machen können von der Anmuth und Schönheit eines solchen 
Peristyls, das wir nur durch ein paar armselige Linien im Plan anzugeben 
vermögen, und das auch in seinen Ruinen den Eindruck nur ahnen lässt, 
welchen es einst machen musste. An diesem Peristyl liegen nur vorn und 
hinten einige Zimmer, vorn ihrer zwei, beide mit schwarzweißem Mosaik- 
fußboden, nämlich eine kleine Exedra 37 rechts neben den Fauces, die Wände 
sehr einfach im letzten Stil gelb und roth" mit schwebenden Figuren bemalt, 
und ein größeres, einfach im zweiten Stil ausgemaltes 38 mit breitem Eingang 
vom Peristylgange und großen Fenstern gegen das Atriuin 3 und das Gemach 35: 
wie dies letztere können wir es als Sommertriclinium bezeichnen.  Die 
Zimmer der hintern Seite sind alle im zweiten Stil gemalt. Hier liegen neben 
einander zunächst zwei große, gegen den Peristylhof weit geöffnete Zimmer 
39 und 40, welche beide als Üfriclinien bezeichnet werden müssen. Der Fuß- 
boden von 39 ist in eigenthiimlicher Weise aus Signinum und Mosaik zusam- 
mengesetzt; ein Mosaikquadrat bezeichnet den Platz des Tisches; 40 hat 
einen schönen farbigen Mosaikboden (bei Zahn II, 99), als Triclinium wird es 
durch seine Form hinlänglich charakterisirt. Die einfache Decoration von 
39 (Man, Wandmalerei Tf. III) stellt eine Marmorbekleidung und vor der 
Wand stehende Pfeiler dar; complicirter, mit gemalten Säulen, Pilastern und 
Gebälken, dabei weniger geschmackvoll in den Farben ist die von 40, hinter 
welchem ein kleines Cubiculum 41 liegt, gekennzeichnet durch die gewöhnliche, 
für das Ende des Bettes bestimmte Vertiefung in der einen Wand. "Weiter 
folgt eine allerliebste Exedra 42 mit einem noch vorhandenen schönen Mosaik- 
gemälde im Fußboden (abgeb. Zahn II, 50), welches innerhalb eines den Rand 
bildenden Labyrinthes den Kampf des Theseus gegen den Minotauros darstellt 
und dem Hause seinen Namen gegeben hat. Sodann der prachtvolle korin-
        

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