Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875102
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Viertes Capitel. 
Die Hauptabtheilung des Hauses hat natürlich ihren eigenen Eingang von 
der Gasse 23 in ein ungewöhnlich breites, mehr zimmer- als gangartiges 
Ostium, neben dem links ein kleines Zimmer 24, füglich nur die cella atriensis, 
rechts ein noch kleineres 25 liegt, welches als apotlzeca diente. Rechts war das 
größere Zimmer 26 zur Zeit des zweiten Decorationsstils sorgfältig ausgemalt, 
vermuthlich ein Triclinium; später, als nach 63 die Ecke neu aufgebaut war, 
ließ man es roh und scheint es zu wirthschaftlichen Zwecken benutzt zu haben. 
Das Atrium 27 ist tetrastyl und von korinthischer Ordnung, geräumig, luftig, 
elegant; von der Stuckbekleiduiig der Säulen ist fast nichts erhalten ; hinter dem 
Impluvium steht eine Basis für eine Brunnenfigur, Welche einen Wasserstrahl 
auf einen im Impluvium selbst stehenden Marmortisch f fallen ließ; weiter 
zurück, sowie zwischen den vorderen Säulen, sind im Boden die Öffnungen 
der Cisterne. Als das Haus im zweiten Stil ausgemalt wurde, war im Atrium 
die Decoration ersten Stils noch vollständig erhalten; erst in der letzten Periode 
wurde sie auf dem untern Theil der Wände durch einfachen schwarzen, durch 
grüne Streifen in Felder getlieilten Stuck ersetzt. Rechts bei g fand man aufge- 
mauerter Unterlage eine in ihrem Eisenwerk wohl erhaltene zweite Geldkiste, 
welche aber nur mit Lapilli angefüllt war. Von den das Atrium umgebenden 
Zimmern gelten das erste und zweite links 28 und 29, und ein anderes rechts 
30 für Cubicula, und zwar ist 29 durch die für das Bett bestimmte Aushöhlung 
in der einen Wand, 30 durch den erhöhten Platz des Bettes als solches gekenii- 
zeichnet. Dass 29 von beiden Atrien aus zugänglich ist, kann keinen Gegen- 
grund abgeben. Diese beiden Zimmer sind im letzten Stil ausgemalt; in 29 
ist ein wegen seines Gegenstandes bemerkenswerthes, wenn gleich nur mittel- 
mäßig ausgefiihrtes Gemälde: Paris, welchen Eros, indem er ihm Helena 
verspricht, zur Untreue an seiner ersten Gattin Oenone verführt (Hlbg. No. 
1287); das Motiv, nach welchem Eros dem willig lauschenden Paris über die 
Schulter seine Schmeichelreden zuraunt, kehrt auf Vasen freien Stils und in 
Reliefen wieder. Dagegen ist für 28 seit der Zeit des zweiten Stils nichts 
geschehen und befinden sich die Wände daselbst in einem sehr verwahrlosten 
Zustande. 
Von dem Wandschmuck der rechten Ala 32 ist nichts erhalten ; die Wände 
der linken 31 sind weiß: sie war in der letzten Zeit in einen Schrank oder 
eine Vorrathskammer verwandelt, so dass man für gewöhnlich nur die Thiir 
Sah; ihre Hinterwand ist von schmalen Luftöfnungen nach dem benachbarten 
Atrium durchbrochen. In der Mitte der Rückseite liegt das weit offene, aber 
nach hinten durch eine Brüstungsmauer gesperrte Tablinum 33 mit einem 
Fußboden Von weißem Mosaik mit farbigem Rande, einer farbigen Schwelle 
 in Form eines Maeanders und einem bunten, aus vier Maean- 
  dern gebildeten liabyrinth im Mittelpunkte; die Decoration 
 23g; ersten Stils ist hier erhalten. Danebenudie Fauces 34, neben 
g] f,KmlüH,Jtyjllljqlßllfllliii deren hinterer Thür eine viereckige Offnung sich befindet," 
Fia. 176. Fenstelp welche durch eine von sechs gewölbten Öffnungen tauben- 
Dverschluss. Sßlllagartig durchbrochene Thonplatte geschlossen ist, eine 
Füllung innerer Fenster zum Luftdurchzug, welche in Pom- 
peji mehrfach vorkommt. Zur linken Seite des Tablinums selin wir endlich in
        

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