Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875058
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa de! questore. 
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(Hlbg. N0. 1366), und ein anderes an der Wand rechts von der Thür, welches 
nach einer frühern Deutung Hektor und Paris, nach dem sechsten Gesange 
der Ilias 325-341, nach richtiger Bestimmung dagegen Apollon mit einem 
hier so wenig wie in anderen Fällen benennbaren Geliebten darstellt, außer- 
dem Ornamente, welche bei Zahn II, 49 farbig abgebildet sind. Neben diesem 
Zimmer liegt die Küche 50 mit wolilerhaltenem Feuerheerd, Resten einer 
Larencapelle und einer Treppe zum obern Geschoss; in 51 ist ein Durchgang 
mit einer Wandschranknische links neben dem Eingänge; hinter diesem be- 
findet sich in 51' noch ein geräumiges, einfach ausgemaltes Gemach 1nit einem 
Fenster in das Viridarium, und in 52 haben wir den hier, wie vielfach, neben 
der Küche angebrachten, durch zwei kleine Lichtöffnungen und ein größeres 
Fenster von der Straße erleuchteten , merkwürdig großen und mit unten 
rothen, oben weißen, roth getheilten Wänden stattlich decorirten Abtritt. In 
der Ecke der Treppe gegenüber ist in der Küche ein Ausguss mit einer aus 
dem Oberstock herabkommenden Thonleitung, vor der Kammer 51 in der 
Wand eine Cisternenöffnung. 
Wenn für ein so großes und reiches Haus wie dieses das Viridarium mit 
der Hauscapellennische klein und unbedeutend erscheint, so ist diesem Mangel 
abgeholfen durch ein zweites Peristyl 53 mit Garten und Piscina, in der ein 
Springbrunnen plätscherte ; dies liegt, wie in der Oasa di Meleagro (oben 
N0. 16) und in der eben besprochenen Oasa del Centauro, neben der Haupt- 
abtheilung der Wohnung und steht sowohl mit den beiden Atrien 37 und 60 
als mit dem Peristyl 45 durch Durchgänge in Verbindung; auf dasselbe öffnen 
sich die schon besprochenen Zimmer 4G und 48. Sehr ausgedehnt ist es frei- 
lich nicht, doch bot es ohne Zweifel für die im Triclinium gelagerten Gäste 
eine reizende Aussicht, für die Hausbewohner einen ausgesuchten Spaziergang. 
Der Umgang farbiger Säulen mit seinen in lebhaften Farben (Roth, Gelb, Grün, 
Schwarz) reich bemalten Wänden, das schöne, tiefe Bassin des Fischteiches 
mit dem Springbrunnen, die Pflanzen des Gartens, in welchem noch ein klei- 
neres, viereckiges, auch wohl sicher einen Springbrunnen enthaltendes Bassin 
angebracht ist: alles das zusammen musste diesem Peristyl einen ganz eigen- 
thiimlichen Reiz verleihen. Es ist einer der Räume, in welchen uns die 
Bequemlichkeit und Heiterkeit dieses antiken Lebens so recht fühlbar vor die 
Seele tritt.  WVir bemerken noch, dass wir hier nicht die gleichmäßig ringsum 
laufenden Säulenreihen finden, wie sie in früherer Zeit, namentlich in der 
Tuffperiode üblich waren. Schon der Plan zeigt die in zwei Halbsäulen aus- 
laufenden Eckpfeiler, zwischen denen auf den Schmalseiten gar keine Säulen 
standen; dazu kommt aber noch ein beträchtlicher Höhenunterschied zwischen 
den Lang- und Schmalseiten, indem die Eckpfeiler mit ihren den Schmalseiten 
zugewandten Halbsäulen 4,03 M., die Säulen und Halbsäulen der Langseiten 
nur 3,26 M. hoch waren. Ein solches Streben nach Abwechselung begegnet 
uns in Bauten der letzten Periode nicht selten; hier war ohne Zweifel die 
Rücksicht auf die große Öffnung des Tricliniums 46 maßgebend. 
Der Gemäldeschmuck ist sehr interessant. Rechts und links vom Ein- 
gange aus dem Atrium setzen sich (noch vorhanden) jene Einzelfrguren fort, 
welche wir im Atrium gefunden haben, dort (k) in einer Venus Pompeiana mit 
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