Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875016
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa de! guestore. 
335 
Die Facade des Hauses hat ein heitereres Aussehn, als die mancher 
anderen, wenngleich auch sie nur einförrnig und durch die zwei kleinen 
Fenster der Zimmer an der Straßenfront wenig belebt ist: aber man hat 
durch Farbe zu helfen gesucht, den in Quaderform gearbeiteten Bewurf mit 
einem mannshohen rothen Sockel verziert und die darauf folgenden in Stucco 
nachgeahmten Weißen Quadern mit zierlichen Rändern eingefasst. Auf den 
rechten Thürpfeiler war ein jetzt ausgehobener Mercur (Iilbg. N0. 18l gemalt, 
der mit dem Beutel in der Hand von der Fortuna ausgesandt wird, um einem 
Günstling die Schätze der Göttin zu bringen, der also wahrscheinlich die 
Wohnung eines Kaufmanns bezeichnet. Die Schwelle des Hauses liegt zwischen 
zwei Anten unmittelbar an der Straße. In der Mitte des lebhaft gelb, blau und 
roth mit schwebenden Figuren bemalten Ostium 33 befindet sich ein Stein mit 
runder Öffnung, welcher zur Reinigung des unter dem Boden fortgeführten 
YVasserabzugs diente und sich ebenso in manchen anderen Häusern wieder-  
findet (oben S. 255)  Rechts öffnet sich eine Thür in einen dunkeln, nur 2 M. 
hohen Raum 34, welcher einen Abtritt und eine Treppe in ein oberes, durch 
ein Fenster auf die Straße erleuchtetes Zimmer enthielt; ohne Zweifel war dies 
der Aufenthalt des Ostiarius, welcher also hier durch das Fenster des obern 
Raumes die vor der Thiir stehenden in Augenschein nehmen konnte. Links 
vom Eingange finden wir ein nach dem Atrium geöffnetes kleines, elegant 
bemaltes Cnbiculum 35. In ihm sieht man eine flache Nische, welche einen 
Schrank enthalten haben wird, und links neben der Thür füllt den Hinter- 
grund eine Erhöhung (0,09 M.) für ein sehr breites Bett. Die weißen Wände 
sind mit Architekturen letzten Stils geziert, von denen Zahn H, 89 eine farbige 
Probe giebt; von den sie schmückenden Einzelfiguren sei in der obern Abthei- 
lung ein Poseidon (Hlbg. N0. 171) und eine als Hera mit zweifelhaftem Rechte 
benannte Figur (Hlbg. N0. 160) hervorgehoben. Neben diesem Zimmerchen 
ist eine kleine Gerath- oder Kleiderkammer 36, mit eigener Tbür ver- 
schließbar. Das ausnahmsweise quadratische Atrium, dessen Eingang vom 
Ostium her wieder von zwei Pilastern ilankirt wird, 37, ist korinthisch und 
eines des geraumigsten und schönsten in ganz Pompeji; zwölf Säulen mit 
unten rothen, oben weißen und cannellirten Schäften und jetzt nicht mehr 
vorhandenen bemalten Capitellen umgeben das Impluvium, an welchem seit- 
warts das Puteal der Cisterne und in der Mitte der hinteren Säulen ein Posta- 
ment für eine nicht aufgefundene Statue steht. Übrigens stammt das Atrium 
aus der Tufliperiode und sind die Tuffsäulen erst später in der angegebenen 
Weise übertüncht worden. Der bedeckte Umgang ist fast 3 M. breit; die 
Malerei seiner YVände ist dadurch merkwürdig, dass hier eine übrigens ziem- 
lich einfache Decoration dritten Stils auf rothem und gelbem Grunde nur 
rechts hinten bei g, durch einen Schrank geschützt, erhalten, im übrigen aber 
in der letzten Zeit Pompejis, weil der Besitzer an dem altern Stil Gefallen 
fand, erneuert worden ist. Die Wände sind ringsum mit Gemälden bedeckt 
gewesen, von denen allerdings wenig zurückgeblieben ist. Jedoch rühren 
nicht alle leeren Stellen der Wände von modernen Aushebungen vorgefun- 
dener Bilder her ; ihrer mehre sind vielmehr bei der Ausgrabung leer gefunden 
worden, waren also antiker Weise hergerichtet um in dieselben den Marmor-
        

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