Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875004
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Viertes Capitel. 
des breiten Ausgangs nach hinten sieht man zwei blau gemalte Nischen für 
Statuetten, welche aber so wenig wie die Figur auf der Basis im Peri- 
styl aufgefunden worden sind. Dagegen war dieses Haus besonders reich 
an mancherlei, zum Theil sehr schönem Hausgeräth, Candelabern, Vasen, 
WVagen u. dgl. m.  
Links neben dem Tablinum, dessen Boden mit Weiß und schwarzem 
Mosaik und in dasselbe eingelegten bunten Marmorstiickchen bedeckt ist, 
welche regelmäßige Figuren bilden, liegt ein geräumiges Triclinium 27 mit 
einem doppelten Eingang aus dem Tablinum und aus dem Peristyl des Hinter- 
hauses, auf dessen Viridarium ein breites, jetzt mit dem hintern Theile der 
Mauern zusammengestiirztes Fenster sich öffnete. Der Fußboden dieses Saales, 
dessen Wände sehr einfach im dritten Stil bemalt sind, enthielt eines der 
schätzbarsten Mosaike, welche wir aus Pompeji besitzen und auf das wir zu- 
rückkommen werden, jene bekannte Darstellung eines von Eroten gebändigten 
Löwen, abgebildet unter anderem bei Zahn II, 93. Dies Bild, rund, von 2,30 
M. Durchmesser, lag in der Mitte des Bodens, wurde 1829 in Gegenwart des 
Königs und der Königin von Sardinien entdeckt und ist in das Museum in 
Neapel gebracht worden. Rechts am Tablinum haben wir die Fauces 28, die 
hier die Gestalt eines von vorn und hinten und auch aus dem Tablinum zu- 
gänglichen Zimmers haben und reicher als gewöhnlich decorirt sind. Das in 
Folge des Einsturzes der Gewölbe des darunter liegenden Kellers unbetretbare 
und nebst den angrenzenden Räumen bis fast zur Unkenntlichkeit zerstörte 
Peristyl 29 und Viridarium 30 sind sehr beschränkt. Nur eine Reihe von vier 
Säulen, deren beide äußerste noch vermauert sind, öffnet den Zugang zum 
Viridarium, neben dem rechts eine Piscina lag. In der Mitte der Hauptwand 
des Viridarium ist, jetzt kaum noch erkennbar, eine lebensgroße Nereide auf 
einem Seepferd gemalt. Neben dieser fuhrt ein hinterer Ausgang des Peristyfls 
31, neben dem Posticum, auf den Vico del Fauna. Diesem Ausgang gegen- 
über finden wir in 32 eine früher nur vom Peristyl aus, jetzt gar nicht mehr 
erreichbare Exedra. Hier ist die eine Marmortäfelung nachahmende Decora- 
tion ersten Stils erhalten, welche aber in der Gliederung der Wände durch 
flache Pilaster mit eigenthiimlichen, an diejenigen des Athenatempels von 
Priene erinnernden Capitellen, über denen ein freilich nicht ganz reiner dori- 
scher Fries mit Triglyphen und Metopen liegt, wieder ihr ganz Besonderes hat. 
Eine ganze Abtheilung dieser Wand ist abgebildet im Mus. Borb. VI, tav. AB 
unter E. 
(N0. 21.) Die YVohnung C, mit welcher D verbunden ist, die Oasa de! 
questore oder dei Dioscuri, 1828 und 1829 ausgegraben, ist nicht allein die 
größte und reichste dieses Complexes, sondern nimmt nach der Schönheit und 
Pracht ihrer Decoration eine der ersten Stellen unter allen Häusern Pompejis 
ein. Den-ersten Namen empfing das Haus von drei Geldkisten im Atrium. 
natürlich ohne jegliche Gewähr, zumal es in Pompeji zu der Zeit, welcher das 
Haus in Seiner uns vorliegenden Gestalt angehört, keine Quaestoren gab; 
der Zweite Name: Weleher überwiegend im Gebrauche ist, bezieht sich auf 
ausgehobene Gemälde der Dioscuren rechts und links im Ostium (Hlbg. 
N0. 963).
        

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