Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874953
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Casa di Pansa. 
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29 ist das Miihlenhaus mit drei Mühlen, zwei gemauerten Tischfüßen und 
mehren YVasserbecken, 30 der Backofen, 28 das Backzimmer (panyiciunz) mit 
dem Backtisch und zwei cylinderförmigen Steingefaßen, die wohl zum Kneten 
des Teiges dienten; in 33 mit dem Hinterzimmer 34 wird man den Laden 
annehmen dürfen, und auch 31. 32 scheinen ähnlichen Zwecken gedient zu 
haben.  In dem Mühlenraum, pistrinzeßn, war ein talismanisches Bild an 
die Wand gemalt mit der Unterschrift: Hie kabitat Felicitas, Hier wohnt 
das Glück. 
Der folgende Laden 35 gehört zum Haus, in welches er sich öffnet, und 
zwar durch ein am Atrium gelegenes Zimmer 36, in welchem der Sclave sich 
aufhielt, der in diesem Laden für seinen Herrn feilbot. Welcherlei Waare, 
lasst sich nicht entscheiden: es ist aber in diesem Falle allerdings anzunehmen, 
dass es die Erträge des Feld-, Wein- und Ölbaus des Hausbesitzers gewesen 
seien. Der nächste Laden 37, sowie die beiden Läden an der Hauptstraße 
jenseits des Einganges zum Hause 38 und 39 bilden einzelne Zimmer oder 
Gewölbe ohne Zusammenhang unter sich oder mit dem Hause. Auch die 
Treppen fehlen ihnen, mit Ausnahme von 38, und nur der Laden 39 hat ein 
Hinterzimmer 40. Größer ist die Einrichtung des gewerbtreibenden Ahmie- 
thers des Eckladens 41, welcher außer diesem Laden noch ein größeres, 
durch ein Fenster auf die Straße erleuchtetes Gemach 42 innehatte, in welchem 
ein Backofen nebst einem YVasserbehälter steht und an welches ein Hinter- 
zimmer 43 anstößt. Trotz dieser Funde hat es nicht gelingen wollen, das 
Geschäft sicher festzustellen, welches der Inhaber dieses Ladens betrieb. 
Endlich bleiben uns noch drei Gruppen von Gemächern zu erwähnen übrig, 
welche mit A, B und O bezeichnet, und welche, daran kann kaum gezweifelt 
werden, hliethwohnungen für weniger Wohlhabende (dnquilivzi, Miethbewohner 
ohne Eigenthumsrecht) gewesen sind. In A führt die erste Thiir (von links 
auf dem Plan) zur Treppe des Oberstockes, welcher also getrennt vermiethet 
war, und ebenso verhält es sich mit der zweiten Thiir von C. B War nicht 
immer vom Haupthause getrennt: in der Rückwand des atriumartigen, aber 
bedeckt gewesenen Hauptraumes ist noch deutlich die Thiir zu erkennen, 
welche hier einst in das Peristyl führte. WVir werden später aus derselben 
Periode stammende Häuser kennen lernen, Welche in der Front zwei Atrien 
neben einander haben, ein vornehmeres und eines, durch welches man zu den 
Wirthschaftsräilmen gelangte : hier war die Anordnung insofern abweichend, 
als das letztere neben das Peristyl gelegt, überdies aber als bedeckter Raum, 
ohne Impluvium behandelt war. Übrigens handelt es sich hier nicht etwa 
um Einverleibung eines altern Hauses; vielmehr ist das ganze Haus des Pansa 
nach gründlicher Wegräumung aller älteren Bauten auf Grund eines einheit- 
liehen Planes erbaut worden. In der Wohnung O hat man vier Frauengerippe 
gefunden, welche goldene Ohr- und Fingerringe mit geschnittenen Steinen 
trugen, etliche dreißig Stücke Silbergeld und noch sonst allerlei Gegenstände 
bei sich hatten, und die also, falls es die Bewohnerinnen dieser Abtheilung 
waren, was man wohl annehmen darf, beweisen, dass dergleichen zur Miethe 
WVohnende nicht als arme Leute zu denken sind, wenn sie auch keinen 
Grundbesitz hatten.
        

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