Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871336
Geschichtliche Notizen über Pompeji bis zur Verschüttung- 
dius, welcher die Säulenhallen am Forum erbauen ließ, gehört wahrscheinlich 
der Zeit vor der Deduction der Colonie an. Einige sehr alte gemalte Wahl- 
programme, in denenemand zur Wahl als Quaestor empfohlen wird, sind kei- 
nesfalls jünger als die älteste Zeit der Colonie." 
Die Beamten wurden gewählt von der nach Curien abstimmenden Volks- 
verSülIlmlv-Ilg- Die Candidaten mussten sich vorher melden, und ihre Namen 
wurden von dem die Wahl leitenden Duumvirn bekannt gemacht. Meldeten 
Sich 111111 weniger Candidaten, als Stellen zu besetzen waren, so präsentirte 
der Vorsitzende selbst so viele wie noch fehlten. Jeder von diesen durfte 
einen Gegencandidaten vorschlagen, welcher seinerseits einen dritten Candi- 
daten namhaft machen konnte: alle diese wurden dann zur Wahl gestellt. 
Abgestimmt wurde schriftlich durch Einreichung eines Täfelchens (tabella); 
in jeder Curie wurden die Stimmen gezählt und der Name des von dieser 
Curie gewählten Candidaten auf eine Tafel (tabula) geschrieben; als gewählt 
galt, für wen die absolute Majorität der Curien sich entschieden hatte. So 
konnte es also vorkommen, dass überhaupt keine Wahl zu Stande kam, oder 
dass von zwei Stellen nur eine besetzt wurde. Für diesen Fall scheint ange- 
ordnet gewesen zu sein, dass die Decurionen einen interimistischen Beamten 
mit den1 Titel eines Präfecten wählten, welcher bis zum Zustandekommen 
einer Wahl die Geschäfte wahrzunehmen hatte. Es wird mit Wahrscheinlich- 
keit angenommen, dass diese Bestimmung auf ein von einem Petronius vor- 
geschlagenes Gesetz (aus der letzten Zeit der Republik) zurückgeht, und dass 
dies die mehrfach auf Inschriften, auch in Pompeji, vorkommenden praegfecti 
ex lege Petronia sind. 
Neben die Decurionen tritt seit der Zeit des Tiberius eine zweite bevor- 
zugte Classe, die Augustalen, ein dem Cultus des Augustus und des iulischen 
Kaiserhauses, dann auch anderer vergötterter Kaiser gewidmetes Collegium, 
welches ausschließlich oder vorwiegend aus Freigelassenen bestand. Da die 
Freigelassenen vom Decurionat und den Municipalämtern ausgeschlossen 
Waren, so fanden reiche Männer dieses Standes, wie Trimalchio im Roman 
des Petronius, in den Würden des Augustalencollegiums eine Befriedigung 
ihres Ehrgeizes. 
Es ist nicht wahrscheinlich, dass die Vorstadt, der pagus Augustus Felix 
suburbanus, gesonderte Verwaltung und eigene Beamte hatte, vielmehr stand 
sie wohl unter den städtischen Behörden. Die auf Inschriften vorkommenden 
ministm" und wahrscheinlich auch der magister des Pagus sind Priester, das 
Collegium der pagani hatte ohne Zweifel ebenfalls priesterlichen Charakter. 
Vermuthlich besorgten auch diese Priester und dies Collegium den Cultus des 
Augustus und anderer vergötterter Kaiser. 
Ein Beispiel des Eingreifens der römischen Behörden berichtet uns Tacitus 
(Ami. XIV, 17) aus der Zeit Neros. Der aus dem Senat ausgestoßene Livineius 
Regulus veranstaltete im Jahr 59 n. Chr. in Pompeji, wohin er sich zurückge- 
zogen, Gladiatorenkämpfe im Amphitheater. Das pompejanische Amphitheater, 
Zu groß für die Zahl der Einwohner der Stadt allein, wie noch genauer dargethan 
werden soll, war auf Besuch von den Nachbarstädten berechnet. Auch ibei dieser 
Gelegenheit waren zahlreiche Nuceriner nach Pompeji gekommen, zwischen
        

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