Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874815
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Haus des Lucretius. 
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Mosaik gepflasterte Ostium 1 hinter einem nur etwa 1,20 M. tiefen Vestibulum 
ziemlich rasch aufwärts in das tuscanische Atrium 2, vorbei an einer cella 
ostiarü 3, welche zugleich eine Treppe in das obere Gemach enthält. Schon 
das Ostium ist mit Gemälden geziert, und zwar, selbst abgesehn von den rein 
decorativen Malereien, mit bedeutenderen als sich sonst gewöhnlich in Pom- 
Peji an dieser Stelle finden; namentlich ist eine Komoedienscene (Hlbg. N0. 
1469) hervorzuheben und sind die musicirenden Bakchantinnen (Hlbg. N0. 482. 
1919. 1945) zu erwähnen, von welchen das Haus bei der Ausgrabung, wie schon 
erwähnt, den Namen delle suonatrici erhielt. Das mit einem weißen Mosaik- 
fußboden versehene, 8,36 x9,7 M. große Atrium ist zunächst dadurch merk- 
würdig, dass es kein Impluvium hat, während eine gemauerte Wasserrinne 
durch dessen ganze Tiefe und unter dem Fußboden des Ostiums, sowie der 
Schwelle und dem Trottoir hindurch auf die Straße fiihrt. Doch sind Spuren 
eines ältern Impluviums vorhanden, welches vermuthlich in kostbarem Material 
erneuert werden sollte, so dass die erwähnte Rinne nur als eine provisorische 
Aushiilfe zu betrachten ist. Die Wände sind über einem Sockel, welcher ver- 
schiedene Marmorarten nachahmt, blau gegründet und mit Grottesken bedeckt, 
innerhalb deren Tritonen, Nereiden u. a. Seewesen gemalt sind; der Fries 
bestand aus vergoldetern Stucco und ist bei der Ausgrabung in vielen Stücken 
in der Verschiittungsmasse gefunden worden. An ungewöhnlicher Stelle und 
in ungewöhnlicher Gestalt, abenähnlich der in dem Hause N0. 117 im Plane 
(S. 268) , finden wir hier gleich rechts vom Eingange bei a die mit farbigem Stucco 
reich verzierte Larennische, deren Giebel von zwei Säulen getragen wurde, 
deren Stellen wenigstens noch erkennbar sind. Man fand hier drei Figiirchen 
von Bronze. 
Vier Cubicula, 4, 5, 6, 7 gruppiren sich zunächst um das Atrium, alle auf's 
reichste bemalt, und zwar alle vier auf weißem Grunde, der das nicht beson- 
ders helle Licht in diesen Zimmern hebt, welche vermuthlich wie in der Uasa 
di Meleagro durch Fenster über den Thüren, auch wenn diese verschlossen 
waren, erleuchtet wurden. Ähnlich sind einander in den vier Cubiculis auch 
die architektonischen leichten Umrahmungen der Haupt- und Nebenbilder; 
im Übrigen ist die größte Mannichfaltigkeit vorhanden. Das Zimmer N0. 4 hat 
auf jeder WVand als Nebenbilder kleine Genien oder Eroten, die mit Waffen 
spielen (Hlbg. N0. 624), rechts als freilich sehr kleines, aber feingemaltes 
Mittelbild Selene und Endymion (Hlbg. N0. 950), einen oft und in sinniger 
Weise behandelten Gegenstand, an der Mittelwand Achill vom Kentauren 
Cheiron im Leierspiel unterwiesen (Hlbg. N0. 1294, sehr zerstört), ebenfalls 
ein in Pompeji und in Herculaneum wiederkehrender Gegenstand. Auf der 
dritten Wand links stellt das Mittelbild eine Nereide auf einem Seepferd dar 
(Hlbg. No. W29). An dem obern Theile der rechten und linken YVand sind 
noch die Musen Melpomene und Thalia gemalt (Hlbg. N0. 876. 880).  Eine 
Nereide auf einem Delphin reitend (Hlbg. N0. 1037) bildet auch den ersten 
HaflPtgßgenstanrl rechts in dem Zimmer N0. 5, dessen übrige Bilder, ein Ky- 
Parlssüs (Hlbg. N0. 219) und ein Polyphem mit Galatea (Hlbg.No.1051) stark 
gelitten haben, so dass ihre Deutung nicht ohne Bedenken ist und dass mit 
Sicherheit nur noch in den Nebenfeldern außer zwei schwebenden Satyrfiguren
        

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