Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874780
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Viertes Oapitel. 
und wir von dem Verhältniss der Säulen zur Decke, bei dem Fehlen der oberen 
Theile, keine sichere Vorstellung haben. Dass das Leben und sein wechselndes 
Bedürfniss, dass Lust und Laune des Bauherrn und Architekten sich an die 
starre Norm nicht band, lehrt uns ganz Pompeji wieder und immer wieder. 
Sehr merkwürdig ist ferner die Thatsache, dass die gesammte Decoration in 
diesem Saale einfarbig in Gelb gemalt ist. Von den ebenfalls einfarbigen 
Hauptbildern sind zwei erhalten, bei q Theseus, nach Erlegung des Minotauros 
mit Ariadne im Gespräch Hlbg. N0. 1215) und bei 1' eine noch nicht ge- 
nügend erklärte Vorstellung, in welcher ein Satyr ein Mädchen mit einer un1 
einen Stab gewundenen Schlange zu schrecken scheint (Hlbg. N0. 541)  Der 
Fußboden ist von weißem Mosaik mit schwarzen eingelegten Ornamenten. 
Von den beiden Exedren. welche diesen Oecus rechts und links umgeben, 
ist diejenige rechts N0. 25 auffallend einfach: die Wände sind ganz weiß, aber 
sorgfältig geglättet und oben durch einen schönen Stuccocarnies abgeschlossen; 
der Fußboden ist mit Mosaik belegt; man fand hier (s. Pomp. omt. bist. a. a. O. 
p. 107) außer einer Wage, einem Kessel, einem Siebe und anderen Sachen 
die Fragmente des bronzenen Beschlages eines Ruhebettes (lectus tricliniaris). 
Die größere Exedra links N0. 26 hat ihren vollständigen und sehr reichen 
YVandschmuck erhalten, welcher der Hauptsache nach aus phantastischen 
Architekturen mit schwebenden Figuren auf den roth und blau gegrün- 
deten und zum Theil wie aufgespannte Tücher behandelten Feldern besteht; 
von den Hauptbildern sind die der Seitenwände zerstört, erhalten das der 
Rückwand, welches Marsyas (Hlbg. N0. 227) darstellt. Am Sockel abermals 
Nereiden auf Meerthieren (Hlbg. N0. 1031. 1035. 1038. 1039), dies Mal aber 
schön und in natürlichen Farben ausgeführt, außerdem nicht uninteressante 
Atlanten, welche stehend und kniend den Carnies des Sockels zu tragen 
scheinen. Das größte Gemach dieses Hauses ist das Triclinium N0. 27, 
welches sich sowohl gegen das Peristyl wie gegen den zur Küche führenden 
Gang öffnet und vermuthlich durch ein Fenster bei s von dem dort anstoßenden 
offenen Hofe erleuchtet wurde. Seine Decoration  schwarze und rothe 
Felder, dazwischen Durchblicke auf bunte phantastische Architekturen  ist 
sehr reich, und auch hier haben wir bei der Zerstörung einiger anderen (außer 
schönen schwebenden Figuren) wenigstens einige mythologische Hauptbilder 
zu bemerken, bei s ein Parisurteil (Hlbg. N0. 1285) und bei 8' Paris sich 
rüstend, wie man meint (Hlbg. No. 1313). Am Sockel der Langwände liegende 
weibliche Figuren, an dem der Schmalseite telamonenartige Satyrfiguren, 
welche aber hier, leicht dahinschreitend, nur mit einer Hand den Carnies 
stützen. Der Fußboden besteht auch hier und in 26 aus schwarzweißem 
Mosaik. 
Links an dieses Speisezimmer grenzt ein geräumiges Cubiculum 28, Wir 
dürfen wohl vermuthen dasjenige des Hausherrn; es erhielt wahrscheinlich Licht 
durch ein Fenster über der Thür. Die Decoration zeigt auf rothen Wänden 
bei schwarzem Sockel und weißem obern Theile zierliche Grottesken, auf 
seiner Hinterwand bei t ein anmuthiges Genrebild, eine schöne Dame, an 
deren Knie sich Eros, schalkhaft plaudernd, vertraulich anlehnt (Hlbg. N0- 
1429, ausgehoben), während die Bilder beider Langwände an Ort und Stelle
        

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