Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874779
Die Privatgebäude. 
Die WVohnhäuser. 
Casa di Ilfeleagro. 
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innen mit lebhaft azurblauem Stucco bekleidet, Welcher dem Wasser eigen- 
thiimlich schöne Reflexe mitgetheilt haben muss; ein Springbrunnen in der 
Mitte der Piscina ist fast genau so eingerichtet gewesen, wie derjenige im 
Hause des Holconius, und besteht aus einer Säule, welche eine jetzt größten- 
theils zerstörte Tischplatte trägt, auf welche das aus einer darauf liegenden 
Säulenbasis emporspringende Wasser plätschernd wieder herniederfiel. Ein 
zweiter Strahl rieselte von einem Brunnenuntersatz 19 mit acht Stufen, auf 
dem vermuthlich eine Figur stand, in die Piscina, eine Einrichtung, der wir 
sehr oft in Pompeji begegnen. Mit 20 ist ein neben dieser Brunnentreppe 
befindlicher, mit der Piscina durch ein Rohr verbundener Wasserbehälter be- 
zeichnet, der zur Aufbewahrung von Fischen oder auch zum Kühlen von 
Getränken gedient haben mag; bei 21 befindet sich ein ähnlicher kleinerer, 
bei 22 das Puteal der Cisterne, bei 22' eine zweite Öffnung der Cisterne ohne 
Puteal, mit einem Lavadeckel, und 23 bezeichnet ein großes thönernes Gefäß, 
welches nur zufällig da gestanden hat, wo wir es sehn, und in welchem ein 
reichlicher Vorrath von Gypsstucco aufgefunden worden ist, Worin man einen 
Beweis dafur zu finden meint, dass dies Haus bei der Verschiittung in 
Reparatur war. Die schwarzen Wandfelder werden getrennt durch lebhaft 
gefärbte leichte Architekturen auf weißem Grunde, welche auch den obern, 
ebenfalls weißen ÄVandtheil erfüllen. In den schwarzen Feldern sind nicht 
weniger als achtzehn Bilder angebracht, von denen aber nur noch fiinf an 
Ort und Stelle sind, nämlich bei a Aphrodite, welche, einen Speerin der 
Linken haltend, eine Kette aus einem ihr von Eros dargebotenen Kästchen 
nimmt Hlbg. N0. 303, beschädigt, aber nicht zerstört), bei b Silen in 
felsiger Gegend gelagert, dem ein Knabe (Satyr ein Trinkhorn bringt (Hlbg. 
N0. 419), bei c Narkissos (Hlbg. N0. 1344), bei dDionysos und ein Knabe 
(Hlbg. N0. 401), endlich an der westlichen Wand bei e Silen sitzend, welcher 
in beiden Händen das fröhlich nach einer ihm von einer Nymphe dargebo- 
tenen Traube greifende Dionysoskind emporhebt (Hlbg. N0. 377). Von den 
entfernten Bildern, deren Ort sich nicht genauer bestimmen lässt, seien in 
Kürze noch genannt: Adonis (Hlbg. N0. 337), Pan und Eros (N0. 406), Satyr 
und Knabe (No. 441), Satyr und Mädchen (N0. 545), Hymenaeos (N0. 855), 
Perseus und Andromeda (N0. 1202), Ariadne (N0. 1227), Thetis (N0. 1320), 
und wahrscheinlich noch Apollon und Daphne (N0. 214). Am Sockel treten 
außer Pflanzen wiederum Nereiden auf Meerungeheuern reitend hervor. 
Von den das Peristyl umgebenden Gemächern ist weitaus das bemerkens- 
Wertheste der schöne Oecus Nr. 24. Derselbe öffnet sich ohne jeden Verschluss 
gegen das Peristyl zwischen zwei Ilalbsäillen und zwei mit seiner inner11 
Säulenstellung gekoppelten Säulen von der Stärke und Höhe derer im Peri- 
Sßyl. In seinem Innern wird er an drei Seiten, die ersten gekoppelten mit 
gezählt, von zwölf dünneren und niedrigeren Säulen umgeben, welche höchst 
Vvahrscheinlich eine Gallerie trugen, zu der die Treppe 39 hinaufgeführt hat. 
Diese Gallerie stützte sich auf flache Bogen, deren Ansätze an den Capitellen 
nachweisbar sind und deren einer probeweise neuerdings restaurirt worden ist. 
D711" köllnßll dies schöne Speisezimmer als korinthischen Oecus bezeichnen, 
wenn es auch der Beschreibung des Vitruv (VI, 5) nicht ganz genau entspricht,
        

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