Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874768
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Viertes Capitel. 
wand ist an Ort und Stelle geblieben, aber zerstört. N0. 13 hat sehr schöne 
grüne Wände mit rothem Sockel und weißem obern Theil, wiederum mit 
reichen Grottesken und schwebenden Eroten, und trug auf seinen beiden 
Seitenwänden rechts bei Z eine schöne auf einem Lehnstuhl sitzende Frau, der 
Eros ein geöffnetes Schmuckkästchen darbietet, wohl nicht mythisch (Hlbg. 
N0. 1-130, zerstört), gegenüber bei m ein obscönes, nicht publicirtes, im Mu- 
seum befindliches Bild (Hermaphrodit und Panisk, Hlbg. N0. 1371). Endlich 
hat N0. 14 auf rothen Wänden alle drei Bilder an Ort und Stelle, aber völlig 
zerstört: bei n Leda mit dem Schwan (Hlbg. N0. 149), bei o Herakles mit seinem 
Söhnchen Telephos auf dem Knie, welcher der Hirschkuh, die ihn gesaugt 
hat, einen grünen Zweig darbietet (Hlbg. N0. 1144  endlich bei p eine der 
oft wiederholten Darstellungen einer angelnden Schönen (Hlbg. Nr. 355)  Die 
Spuren der Thürangeln sind in den Schwellen aller dieser Zimmer erhalten. 
Rechts neben dem Tablinum liegt ein geräumiges Zimmer 15, welches 
gelbe Wände über rothem Sockel, aber keine Hauptbilder auf den großen 
Flachen hat. Seine Form ist die eines Tricliniums; eigenthümlicher Weise 
war die linke Wand durch Holzpfosten, an welche der Stuck hinangestrichen 
war, in zwei größere (in der Mitte) und zwei kleinere Abschnitte getheilt; der 
Fußboden besteht aus, opus Siynimem; man fand hier (s. Pomp. ant. lzist. III, r, 
p. 103 und 105) ziemlich reichliches Bronzegeschirr, zwei Kessel, einen Can- 
delaber, eine Schale, ein Ölgefäß, ein Sieb, ein kleines silberbeschlagenes 
Altarchen (wohl zum Verbrennen von Räucherwerk) u. dgl. m. Fin Fenster, 
welches dies Triclinium mit dem Zimmer N0. 14 verbindet, mag zum Hin- 
einreichen der Speisen gedient haben, so dass die Thür während des Mahles 
geschlossen bleiben konnte. ' 
Indem wir die Fauces (30) links neben dem Tablinum und alle jene Räume, 
zu denen dieser sehr lange Gang in seinem Verlaufe führt, einstweilen über- 
gehn, Wenden wir uns der in der linken Wand des Atrium befindlichen breiten 
Thür zu, durch welche wir das schöne und große Peristylium 16 und den pri- 
vaten Theil des Hauses mit seinen zum Theil überaus prachtvollen Gemächern 
betreten. Die erwähnte Thür War eine vierilügelige, welche in sich zusammen- 
geschlagen fast nur die Dicke der Wand bedeckte und einen sehr stattlichen 
Durchgang und Durchblick in das Peristyl gestattete. Dies luftige Peristyl 
bildet einen 3,50 bis 4 M. breiten Umgang um das Viridarium 17 mit der 
Piscina 18 in der Mitte; vierundzwanzig unten nicht cannellirte und roth be- 
malte, oben cannellirte und weiße Säulen phantastischer Ordnung auf runden 
Basen und mit flachem Capitell umgeben das Viridarium. Die Intercolumnien 
kßnlltell mit Gardinen verhängt werden; die Haken, an welchen man die 
SChnuY befestigte, Vemlöge deren diese Gardinen gezogen wurden, sind in 
dem Fußende einiger Säulen an der linken und hintern Seite (vor 24 und 26) 
erhalten. Durch diesen Apparat, dem man übrigens inmehren anderen großen 
Peristylien und Atrien wieder begegnet, muss dieser weite, farbenglänzende,  
schattige und doch lichte Peristylumgang zu einem wahrhaft reizenden Aufent- 
halte geworden sein. Von den Pflanzungen im Viridarium sind die Vvruzeln 
bei der Ausgrabung noch aufgefunden worden. Die Piscina in seiner Mitte ist 
1,20 M. tief, von mannichfaltigem Planschema, wie unsere Figur zeigt, und
        

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