Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874723
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Viertes Capitel. 
reien letzten Stils, in denen es auch an figürlichen Darstellungen nicht fehlt, 
bilden einen eigenthümlichen Gegensatz zu den hohen und weiten Verhältnissen, 
dem ernsten, Marmorbekleidung nachahmenden Wandschmuck der bisher be- 
sprochenen Theile. Dort ist alles auf Großartigkeit und Repräsentation, hier 
auf Eleganz und Wohnlichkeit berechnet : die Wandelung der Zeiten und des 
Geschmacks wird hier recht anschaulich. Ganz unbegründet ist die weit ver- 
breitete Ansicht, welche hier ein Venereurvz, einen Ort für geheime Orgien 
erkennt.  Die Bilder, auf welche man sich dafür berufen hat und von denen 
weiter unten die Rede sein wird, sind in ganz Pompeji, in Räumen jeglicher 
Art, häufig genug angebracht, so dass aus ihnen gar nichts geschlossen werden 
kann. Als vollständige Wohnung freilich konnten diese Räume nicht genügen, 
da sie außer dem Säulenhofe nur eine Küche 36, ein großes Trielinium 35 und 
zwei kleine Zimmer 33 und 34 enthalten, welche letztere beide wegen der großen 
Fenster auf den Garten zu Winterschlafzimmern nicht geeignet waren; als 
solche wurden ohne Zweifel die Zimmer am Atrium benutzt, während dieser 
ganze Theil des Hauses hauptsächlich als Sommeraufenthalt dienen mochte. Wir 
erwähnen noch, dass diese Räume nicht gleich in ihrer jetzigen Gestalt an- 
gelegt wurden .1 die beiden Zimmer 33, 34 sind erst nachträglich in das Peristyl 
hinein gebaut worden, zu welchem dagegen früher das zweite Hinterzimmer 
des Thermopoliums 5 gehörte, welches auch zum Winterschlafzimmer geeignet 
war. Endlich hatte das Triclinium 35 damals auch rechts eine solche nischen- 
oder alenartige Erweiterung wie noch jetzt bei s. Vor diesen Veränderungen 
waren diese Räume im dritten, nach ihnen wurden sie im vierten Stil aus- 
gemalt. 
Der Eingang in diese Privatabtheilnng des Hauses ist aus dem Atrium 
durch einen Gang 29, der, wie die erhaltene Schwelle und Reste der Thürangeln 
beweisen, am hintern Ende durch eine Thür geschlossen werden konnte. Von 
dem Kämmerchen 30 neben diesem Gange kann man nur vermuthen, dass es 
entweder als Vorrathskammer für Hausgeräthe oder, was wahrscheinlicher ist. 
als Wachtzimmer für einen Sclaven diente. Durch den Gang also gelangt 
man in das Peristyl 3 l, welches von neun achteckigen und rothbemalten Säulen 
oder Pfeilern gebildet wird, die einen offenen Hofraum 32 mit einer umlau- 
fenden Wasserrinne an drei Seiten umgeben. Da der Hofraum nicht gepflastert 
oder mit sonst einem Fußboden bedeckt ist, darf man annehmen, dass er als 
Blumengarten diente. An der Hinterwand des Peristyls, in welchem sich die 
von Helbig unter N0. 373, 493 und 1943 verzeichneten, nicht eben bedeutenden 
Bilder finden, ist zu beiden Seiten des Hofraums je ein Zimmer 33 und 34, 
welches durch ein Fenster vom Hofraum Licht erhielt und die Aussicht auf 
die 3111111811 des Gärtchens hatte. Diese Zimmer sind mit Eleganz decorirt, 
ganz besonders aber dasjenige rechts 34, in welchem sowohl der Fußboden als 
der Sockel der Wände, letzterer mit Ausnahme des Platzes, wo an der Rück- 
Wülld das Bett Stand, mit Marmor getäfelt ist; hier fand man auch eine 
Bronzestatuette in einer Nische der Wand r, und neben mehren bronzenen 
ein goldenes Gefäß von 85 Grammen Gewicht und Münzen des Vespasian. 
An der Ilinterwand ist das noch an Ort und Stelle befindliche Gemälde: Ares 
und Aphrodite (Hlbg. N0. 319) angebracht, darunter Paris und Helena (Hlbg.
        

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