Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874661
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Viertes Capitel. 
eine Thür führt von hier in die linke Ala. 13. Diese, welche der gegenüber- 
liegenden in Anlage und architektonischer Ornamentik entspricht, aber ihrer 
ursprünglichen Bestimmung erhalten blieb, ist ebenfalls im letzten Stil aus- 
gemalt worden, wobei jedoch auch hier der Stuccocarnies ersten Stils erhalten 
blieb; sie zeigt auf ihren Weißen Wänden außer leichten Ornamenten kleine 
Landschaften und auf dem Mittelfelde der Rückwand eine schwebende weib- 
liche Figur. Folgt eine, an den Löchern, in denen die Bretter befestigt 
waren, erkennbare Vorrathskammer (apotbeca) 14 , die Treppe zum obern 
Stockwerk 15, welche sich nach rechts über 16, einer zweiten Vorrathskammer 
mit Brunnenöifnung fortsetzt, und ein überwölbter dunkler Raum 17, der ein 
Ergastulum, als das man ihn bezeichnet hat, des mangelnden Lichtes wegen 
schwerlich gewesen sein kann. Im Hintergrunde des Atrium liegen zunächst 
die Fauces 18, dann das nach hinten nur durch ein großes Fenster geöffnete 
T ablinum 19, dessen Malereien nicht erhalten sind, und endlich ein ebenfalls 
mit einem Fenster nach dem Garten versehenes Triclinium 20, Welches wie 
das Tablinum mit einem weißen Mosaikfußboden geschmückt ist und auf seinen 
Wänden eine reiche Decoration letzten Stils auf weißem Grunde bewahrt hat. 
Bei a linden wir den lyraspielenden Apollon, bei b gegenüber den ilötenden 
Marsyas (Hlbg. No. 231), bei c eine unerklärte Darstellung von Lichtgottheiten 
(967 b), außerdem bei da! und ee Musen (863 b. 870b. 874 b. 885 b. 892 b. und 
noch eine), welche mit dem Apollon und Marsyas offenbar als Schiedsrichte- 
rinnen in ihrem Wettstreit in ideeller Verbindung stehn, obgleich sie mit 
diesen beiden Hauptpersonen nicht in eine Gesalnmtscene zusamme11c0mpo- 
nirt sind. Die Fauces durchschreitend gelangt man links in die überwölbte, 
geräumige, aber dunkele und nur von zwei Oberlicbtern erleuchtete Küche 
21 mit ihrem Zubehör, einer kleinen Vorrathskammer a und dem Heerde b. 
Ehe aber der Garten besprochen wird, muss hervorgehoben werden, dass an 
der schon erwähnten Treppe 15 ein Gemach des obern Stockwerks, wenn auch 
nicht ganz, erhalten ist und dass neben demselben rechts die Treppe sich noch 
mit einigen Stufen fortsetzt und in ein etwas höher liegendes Zimmer führt, 
so dass hier also die Räume des Obergeschosses nicht alle in gleicher Höhe 
lagen.  Im Garten 24, in welchen man durch eine Porticus mit Ziegelsäulen 
22 gelangt, an der am Ende die Cella des Gärtners (bortulavzus) 23 liegt, ist die 
antike Beetanlage vollkommen erhalten und lässt keinen Zweifel übrig, dass 
es sich um einen Nutz- und Gemüsegarten, nicht um einen Ziergarten handelt ; 
Blumen und Ziergewächse sind dagegen wenigstens nicht unwahrscheinlich 
auf dem erhöhten Stücke des Gartengrundes hinter dem Gemüsegarten 25 
gezogen worden, zu dem man über eine rechts gelegene Treppe gelangt und 
von dem aus sich ein hinterer Ausgang (p0sticum) auf die hintere Straße (vice 
(bei Serpenti) öffnet. 
(N0. 15.) Nicht geräumiger als dies Haus, dagegen von einer viel eigen- 
thiimlißhefn Plalleinthßilllng ist dasjenige, welches man unter dem nicht besser 
als viele andere begründeten Namen der Oasa di Sa llustio oder (nach 
einem Hauptgemälde) Oasa di Atteone kennt, N0. 15 im Plane (VI, 2, 4). Im 
Jahre 1806 aufgefunden und der Hauptsache nach ausgegraben, aber erst 1809 
beendigt, zeichnet sich dies an der jetzt Strada consolare genannten Haupt-
        

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