Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871314
Geschichtliche Notizen über Pompeji bis zur Verschüttung. 
gleichheit zwischen Alt- und Neubürgern wird nur für die erste Zeit der 
Colonie gegolten haben; wir dürfen annehmen, dass mit Beginn der Kaiserzeit 
der Unterschied aufhörte und sie zu einer Bürgerschaft verschmolzen waren. 
WRS VWIde aus den bei der Ansiedelung der sullanischen Veteranen aus- 
getriehellell Bürgern? Auch diese Frage kann wenigstens vermuthungsweise 
beantwortet werden. Pompeji hatte eine Vorstadt, welche den Namen pagus 
Augustus Felix suburbanus führte. Den Namen Augustus konnte dieser Pagus 
natürlich nicht vor der Zeit des gleichnamigen Kaisers erhalten. Da aber der 
Dictator Sulla den Beinamen Felix führte, so ist nicht ohne Wahrscheinlich- 
keit vermuthet worden, dass schon zu seiner Zeit, also zur Zeit der Colonisi- 
Hlng, diese Vorstadt entstand, und zwar dadurch, dass die ausgetriebenen 
Einwohner außerhalb der Stadt angesiedelt wurden.  
Pompeji erscheint seit der sullanischen Colonisirxmg ganz romanisirt und 
erfreute sich ohne bemerkenswerthe Ereignisse eines wachsenden Wohlstan- 
des, welcher auf dem Handel und auf mannigfaltiger Industrie bemhte und 
nicht wenig dadurch erhöht wurde, dass Pompeji in die Zahl derjenigen Land- 
Städte eintrat, in welche, wie nach Bajae, Neapel, Puteoli, vornehme Römer 
sich zurückzogen, wenn sie des Staatslebens und des Geräusches der Haupt- 
stadt müde geworden waren, oder wenn sie aus anderen Gründen Erholung 
und Ruhe unter dem schönen Himmel Süditaliens und inmitten griechischer 
Kunst und Sitte aufsuchten. 
Die erste namhafte Person, von der wir eine solche Ansiedelung in Pom- 
peji erfahren, ist Cicero, welcher, obgleich nicht unbeträchtlich verschuldet, sich 
neben seinem Landsitze in Puteoli noch einen solchen in Pompeji kaufte, von 
dem er in seinen Briefen (Epp. ad oliv. 7, 1) zu erzählen weiß. Die Annahme 
freilich, dass die unter dem Namen der Villa des Cicero bekannten, dicht vor 
dem Herculaner Thor gelegenen, 1763 aufgegrabenen und zum größten Theile 
bald wieder zugeschiitteten Ruinen einer Villa wirklich dem Pompeianum des 
großen Redners angehören, ist grundlos, und schon deshalb nicht glaublich, 
weil Cicero in seinen Briefen ganz besonders die stille Zurückgezogenheit 
seines Landsitzes rühmt, was sich mit der Lage der in Rede stehenden Villa 
an der Heerstraße kaum verträgt. Auch der M. Tullius, welcher laut der 
Inschrift auf dem Architrav der Aedicula den Tempel der Fortuna Augusta 
erbaut hat, ist nicht der Redner; 0b er mit ihm verwandt war, können wir 
nicht wissen. 
Kaiser Claudius besaß in Pompeji eine eigene Villa, in der ihm sein 
Söhnchen Drusus an einer Birne erstickte, die der Knabe in die Höhe ge- 
worfen und mit dem Munde aufgefangen hatte, ein Kunststück, Welches man 
noch heute bei der neapolitaner Straßenjugend geübt sieht. Ohne Grund frei- 
lich glaubt Winckelmann in seinen Nachrichten v. d. neuesten hercul. Ent- 
deckungen ß 58 in einer der beiden Villen links an der Gräberstraße, welche 
man als die des Cicero und die des M. Arrius Diomedes zu bezeichnen püegt, 
die Villa des Claudius erkennen zu dürfen. Auch andere vornehme Römer 
scheinen der Mode, sich in Pompeji anzusiedeln, gefolgt zu sein; doch ist es 
bestimmt nachweisbar nur in Betreff des Senators Livineius Regulus, auf 
welchen wir demnächst zurückkommen.
        

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