Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874617
Die Erivatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Haus des Epidius Rufus. 
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Sämmtliche Gemächer um das Peristyl zeigen in ihren Schwellen Spuren Von 
Thüren, mit denen sie verschlossen werden konnten. 
Über die Läden, Welche dieses Haus an zwei Seiten umgeben und die 
mit den Nummern 30-37 bezeichnet sind, ist nicht viel zu sagen. Drei 
derselben, No. 30 mit 30 a, 31 mit 31 a und No. 34, 34a neben den beiden 
Eingängen des Hauses, stehn mit diesem in Verbindung, die übrigen vermiethet 
gewesenen bestehn meist nur aus dem Ladenlocal mit einem kleinen Hinter- 
zimmer und bieten außer dem durch große in den Boden eingemauerte thö- 
nerne Dolien (lforrathsgefäße) ausgezeichneten No. 33 nichts Charakteristi- 
sches. Nur die mit der Ziffer 32 bezeichneten Räume geben sich ziemlich 
unzweifelhaft als Behausung und WVerkstatt eines Färbers (ofector) zu 
erkennen, und zwar durch die in dem Gange 32 c aufgefundenen gemauerten 
und mit härtestem Stucco ausgekleideten Färberwannen, in denen Reste der 
zum Färben gebrauchten Materie erhalten waren; bei der chemischen Analyse 
erwies sich diese als schwefelsaures Eisenoxyd. Der hier arbeitende Färber 
hatte auch im Obergeschoss noch ein paar Cenacula inne, zu denen eine 
Treppe hinauffiihrte. Der erwähnte Gang enthält außerdem einen Heerd; die 
Bestimmung des niedrigen Verschlages 32d ist unklar. Sein Laden ist nach 
beiden Straßen weit geöffnet und war in einer Weise verschlossen, auf welche 
im folgenden Capitel zurückgekommen werden soll. Erwähnen wollen wir 
schließlich noch, dass neben dem Laden 30 in 30a eine Treppe in das obere 
Geschoss hinaufführte. 
(No. 14.) Unter den einfachen Häusern mit mehr oder weniger regel- 
mäßigem Plane nimmt einen hervorragenden Platz ein dasjenige des M. Epi- 
dius Rufus. Dasselbe liegt an der östlichen Verlängerung des Strada degli 
Olconii, der s. g. Strada della casina deZP aquila (IX, 1, 2; No. 116 im Plane) 
und wurde von 1866 an ausgegraben. Es stammt aus der Tuffperiode und ist 
in römischer Zeit nur wenig umgebaut worden; späteren Ursprunges ist na- 
mentlich die Treppe 15. Von der dem ursprünglichen Bau wahrscheinlich 
gleichzeitigen Decoration ersten Stils ist in verschiedenen Räumen nament- 
lich das charakteristische Zahnschnittgesims erhalten. Später, etwa in der 
Zeit des Augustus, wurde das Haus in einer dem dritten Stil verwandten, 
aber auch dem zweiten noch nahe stehenden Decorationsweise (wCandelaber- 
stilw) ausgemalt; auch von dieser Decoration sind Reste (im Atrium und in  
erhalten 130). Endlich erhielten die meisten Räume eine größtentheils ge- 
schmackvolle und sorgfältige Decoration im Stil der letzten Zeit Pompejis. 
Die Eigenthümlichkeit dieser Wohnung beginnt schon vor ihrer Hausthiir 
mit einer in Pompeji bisher einzigen Einrichtung, welche beim Beginne der 
Ausgrabung den Gedanken nahe legte, dass es sich nicht um ein Privathaus, 
sondern um ein öffentliches Gebäude handele. An der Straße liegt nämlich 
Vor der Facade und zwischen rechts und links vorspringenden Anten eine fast 
15 M. breite und 1,20 M. hohe rothbemalte Rampe oder Platform 1, welche 
vorn in ihrer ganzen Breite auf einer Hausteinkante vergittert gewesen ist und 
zu der an ihren beiden Enden verschließbar gewesene gebrochene Treppen von 
Sechs Stufen emporfiihren. Die Facadenwand (unten schwarz, durch rothe 
Streifen in Felder getheilt, oben weiß), welche mit vielen, zum Theil über
        

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