Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874605
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Viertes Oapitel. 
ein Schlafzimmer gewesen zu sein; der Fußboden ist opus Signinum, die 
NVände, hauptsächlich gelb und roth gegründet, zeigen, abgesehn von den 
bekannten Architekturen, rechts eine Nereide auf einem Delphin (Hlbg. No. 
1030) und links entsprechend die an der Flanke des Zeusstieres durch die 
"Wellen getragene Europe (Illbg. No. 128); hinten, dem Eingange gegenüber 
ein sehr zerstörtes und nicht sicher erklärtes, aber, wie es scheint, auf Licl1t- 
gottheiten bezügliches Bild (Hlbg. No. 964). Eine Besonderheit findet sich 
in eben dieser Wand; in ihrer Mitte unmittelbar über dem Boden ist eine 
 große viereckige Offnung, welche einstmals ganz mit Holz aus- 
gekleidet und nach vorn und hinten mit hölzernen Thüren versehn gewesen 
ist; in ihr fand man acht Lampen. An sich betrachtet, würde sich dieser kleine 
WVandschrank also als zur Aufbewahrung der Lampen bestimmt seh1' wohl 
verstehn lassen; das Merkwürdigste aber ist, dass hinter ihm einer jener unter- 
irdischen Canäle sich hinzieht, durch welche in Pompeji das WVasser von den 
Straßen und aus den Häusern ablief. Es scheint nun, dass die besagte Öffnung 
auch die weitere Bestimmung hatte, diesen Abzugscanal, vielleicht behufs ge- 
legentlicher Reinigung zugänglich zu machen. Mehr kann man hierüber bis 
jetzt nicht sagen, da die ganze Einrichtung bisher vereinzelt ist. 
An dieses Schlafzimmer grenzt die schöne und große Exedra 28 mit weiß 
und schwarzem Marmorfußboden und einem kleinen, jetzt halb zerstörten 
Impluvium in der Mitte, welches aber wohl schwerlich auf eine Öffnimg in 
der Decke schließen läßt, sondern vermuthlich einen kleinen Springbrunnen 
enthielt. Die WVände sind mit schönen Gemälden von ansehnlicher Größe 
geschmückt; diejenige dem Eingange gegenüber zeigt, sehr zerstört, aber 
durch die Art wie das Spiegelbild dargestellt ist, nicht uninteressant, eine der 
vielen Wiederholungen des sich im Quell spiegelnden Narkissos (Hlbg. No. 
1356) ; links finden wir einen auf die Schulter des Silen gelehnten Herma- 
phroditen (Hlbg. N0. 1372), dessen schwermiithige Gedanken Silen mit Lauten- 
spiel sowie ein daneben stehender Eros mit der Doppelflöte zu begleiten 
scheint, während ein Panisk ihn verwundert betrachtet und eine zur Seite 
stehende Bakchantin Thyrsos und Tamburin halt. Rechts endlich eine der 
ebenfalls oft wiederholten Darstellungen der von Dionysos in Begleitung 
seines Thiasos aufgefundenen schlafenden Ariadne (Hlbg. No. 1240). Außer- 
dem tritt eine Reihe nur zum Theil erhaltener weiblicher Figuren hervor, 
unter denen drei Musen, Urania (Hlbg. No. 891), Klio und Melpomene am 
sichersten erkennbar sind, sowie am obern Theile der Wand schwebende 
Figuren und Bilder erscheinen, deren Gegenstand (links Adonis"? Hinterwand 
Danaö  kaum mehr zu bestimmen ist. Eine Thür verbindet diese Exedra 
mit dem Triclinium 29, von dessen wiederum reicher Decoration wir nur die 
Hauptbilder, einen Achill auf Skyros (Hlbg. No. 1296), ein sehr interessantes 
Parisurteil (Hlbg. N0. 1284) und eine größtentheils zerstörte und nur nach 
dem besser erhaltenen Exemplar (Hlbg. No. 1333) bestimmbare Darstellung 
der Iphigenia in 'l'auris (Hlbg. No. 1336) hervorheben wollen, ohne eine Reihe 
von sechs Medaillons mit Halbfiguren zu vergessen, welche, ähnlich denen, 
die wir in dem Zimmer 5 am Atrium gefunden haben, sich größtentheils auf 
die Kindheitspflege des Dionysos beziehn (Hlbg. No. 1413. 1427. 1440).
        

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