Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874594
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Haus des Holconius. 
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spricht und welches in seiner Bestimmung auch noch durch die Nachbarlich- 
keit der Küche 22 bestätigt wird; durch ein großes Fenster empiing das 
Gemach vom Peristyl aus Licht. Der Fußboden liegt eine Stufe tiefer als 
dieses und besteht aus opus Signinum, in Welchem weiße Steinchen ein Muster 
bilden; ein Mosaikornament bezeichnet den Platz des Tisches. Die Wände 
sind abermals schwarz und außer mit Ornamenten verschiedener Art und 
schwebenden Eroten an den beiden Langseiten mit mythologischen Bildern 
Von freilich nur geringer Ausdehnung geschmückt; und zwar finden wir links 
Phrixos auf dem Widder, von welchem Helle eben herabgestürzt ist (Hlbg. 
Nr. 1254), einen Gegenstand, dem wir z. B. schon im Macellum und in der 
Casa di Modesto und del poeta tragico begegnet sind, und rechts die un- 
zählig oft wiederholte verlassene Ariadne (Hlbg. No.12'29)  Mehr als drei Meter 
vom Boden fand sich in die YVand eingekratzt: SODALES AVETE n seid 
gegrüßt, Genossenla was zu der Bestimmung des Gemachs bestens passt, da 
wo es steht aber nur angeschrieben werden konnte von Jemand, der sei es auf 
eine Bank, sei es auf eine Leiter gestiegen war. Wer der Schreiber war, 
lässt" sich nicht sagen, aber Fiorellis Annahme, es sei der Sclave gewesen, der 
die XVande abzuputzen hatte, ist sehr anmuthend; dem mag bei seiner Arbeit 
der vielleicht oft genug von seinem Herrn gehörte Anruf an seine Gäste ein- 
gefallen sein; der Herr selbst hätte dergleichen wohl anders und anderwärts, 
wenn überhaupt, angeschrieben. Von diesem Triclinium, welches wir als das 
für den Winter bestimmte werden auffassen dürfen, führt der Weg zunächst 
in die nachbarliche Küche. Man gelangt dahin, indem man jenen kleinen 
Gang 20 betritt, welcher gegen das Viridarium durch die schon früher erwähnte 
Brüstungsmailer abgeschlossen ist und durch welchen man, rechts gewandt, 
in das Peristyl kommt. Neben diesem Gange befindet sich ein viereckiges 
gemauertes Ytfasserbehältniss 21, das durch ein kleines Leitungsrohr gefüllt 
wurde undvon der Küche aus durch ein überwölbtes Loch in der YVand 
erreichbar ist. Geht man von dem zuerst erwähnten Eingange an dem Fenster 
des Triclinium vorbei gradaus, so kommt man in die eine Stufe tiefer liegende 
Küche 22, an welche hier wiederum der Abtritt 23 grenzt. In der Küche 
finden wir den Heerd, eine Vorrichtung, um einen großen Kessel zu erhitzen, 
ein gemauertes Wasserbassin und einen langen Tisch mit weißer Marmor- 
platte. auf welchem die Speisen zugerichtet wurden und welcher, wie andere 
ähnliche Tische, an seinem einen Ende eine flache Aushöhlung zeigt, Vielleicht 
bestimmt, um in derselben Salz und Gewürze fein zu reiben. Die etwa einst 
vorhanden gewesene Decoration dieses Raumes ist gänzlich zerstört, nur über 
dem Wasserbassin ist eine rohe Larennische sichtbar. 
Von den das Peristylium umgebenden Gemachern können die drei kleinen 
auf der der Küche gegenüber gelegenen Seite, 24, 25, 26, welche mit ziemlich 
untergeordneten Decorationen versehn sind, als Cubicula bezeichnet werden. 
Neben dem ersten derselben liegt ein Posticum, welches in einen Laden und 
weiter auf die Theater-Straße hinausfuhrt. 
Größer, reicher decorirt und bestimmter charakterisirt sind die drei Ge- 
mächer an der Hinter-Seite des Peristylium 27, 28 und 29. Das erste derselben, 
27, ist freilichin seinen Decorationen auch von geringem Belang und scheint
        

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