Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874521
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Viertes Capitel. 
Streitwagen und Bossen gemalt slHlbg. N0. 1250). Im anstoßenden Zimmer 
sind, ebenfalls noch an Ort und Stelle, auf abwechselnd rothen und gelben 
Wandilächen Vögel gemalt; die übrigen Zimmer sind noch einfacher decorirt. 
Die Ala ist ebenfalls einfach mit architektonischen Decorationen über einem 
schwarzen Sockel mit Pflanzen bemalt, die jetzt sehr gelitten haben, hat aber 
einen hübschen Fußboden von schwarz und weißem Mosaik. Das Tablinum 
hatte außer niedlichen schwebenden Figiirchen nur ein mittelmäßiges, aus- 
gehobenes Gemälde auf der Wand k (Hlbg. No. 1158), in welchem man be- 
stimmt mit Unrecht Terenz hat erkennen wollen, welcher in Anwesenheit von 
Apollo und Diana mehren Personen ein Stück vorlese ; nach der neuesten und 
sicher allein richtigen Erklärung bezieht sich dasselbe auf die Geschichte von 
Admetos und Alkestis. Der Fußboden zeigte ein merkwürdiges, jetzt ebenfalls 
in das Museum gebrachtes Mosaik, eine Theaterprobe oder die Vorbereitungen 
zur Aufführung darstellend (abgeb. farbig bei Gell, N. Pompeiana pl. 45). 
Der Chorag, umgeben von verschiedenen Masken, überhört zweien Chorenten, 
die als Satyrn costumirt sind, ihre Rolle, während hinter ihm ein dritter sich 
mit einem gelben Gewande mit Hilfe eines Theaterdieners bekleidet. ln dem 
ersten Gemache links am Peristylium finden wir bei l an Ort und Stelle 
Ariadne vom Theseus verlassen, einen der häufigsten Gegenstände in Pompeji 
(Hlbg. No. 1225), bei m, erloschen und durch hinabrinnendes Nass sowie den 
Salpeter der Wand zerstört, Narkissos sich im Quell spiegelnd, ebenfalls viel- 
fach wiederholt (Hlbg. N0. 1352), bei n Aphrodite und Eros fischend nach der 
gewöhnlichen Bezeichnung; wahrscheinlich aber ist 11nr eine schöne Frau 
gemeint, die sich die Zeit mit Angeln vertreibt, und welche Eros auch hierbei 
nicht verlässt, wie denn Anmuth und Liebreiz schönen Frauen überall bleibt 
(Hlbg. No. 349). Außerdem in Kränzen schwebende Eroten (Hlbg. No. 637, 
638, 708, 731, 735, 736). Das folgende kleine Gemach hatauf den Seiten- 
wänden Landschaften, auf der Hinterwand (erloschen) eine Papyrnsrolle und 
sonstiges Schreibzeug, wonach man dies Zimmer zum Studirzimmer gemacht 
hat. Am Ende des Peristylumganges rechts bei o war das berühmte Gemälde 
der Opferung Iphigenias (ausgeliehen, Hlbg. N0. 1304), nicht gerade hervor- 
ragend in seiner Technik, aber höchst interessant in Auffassung und Compo- 
sition. In einem Hauptmotiv nämlich, dem Dastehn des Agamemnon mit 
verhülltem Haupt, geht dasselbe auf ein hochberühmtes Bild von Timanthes 
zurück, von dem noch später im artistischen T heil zu reden sein wird. Endlich 
das Triclinium zeigt in gar anmuthigem Bilde an Ort und Stelle bei p eine 
mehrfach wiederholte Composition, welche man bisher auf Leda und Tyndareos 
mit dem Neste voll Kinder, welche aus den Eiern gekrochen sind, die Leda 
von dem Zeusschwan empfangen hatte, bezog, während zwei neuerdings auf- 
gefundene Exemplare (Hlbg. No. 822, 823) gelehrt haben, dass es sich um ein 
Nest mit Eroten handelt, das ein junges Paar gefunden hat (Hlbg. N0. 821). 
An der Hinterwand ist bei g stark beschädigt die von Theseus verlassene 
Ariadne anders als im Zimmer 14 wiederholt (Hlbg. N0. 1218), und die Seiten- 
wand enthält bei r, ebenfalls stark fragmentirt, ein unerklärtes Bild aus dem 
Mythus der Artemis (Hlbg. No. 254). Diese fein gemalten Bilder sind auf 
den Nebenfeldern der Wände von meistens schönen schwebenden Figuren
        

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