Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874484
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Viertes Capitel. 
12 hat eine reiche Decoration zweiten Stils bewahrt. An seinen drei Wänden, 
diejenige gegen das Tablinum ausgenommen, finden wir, an derjenigen rechts 
am besten erhalten, sechs hermenartig aus Blattkelchen emporsteigende große 
geflügelte weibliche Gestalten, welche Guirlanden von Blumen und Früchten 
in den Händen halten (Sogliano N0. 757); die Bilder am obern Theile der Wand 
sind zerstört; in den Resten eines derselben (Hlbg; N0 574) glaubt man einen 
orgiastischen Tanz vor einer Priaposherme zu erkennen. Links vom Tablinum 
ist der F aucesdurchgang durch eine Art von Vorplatz 13 ersetzt, aus welchem 
man links in die Küche 14 gelangt und in welchem eine steinerne Treppe 
liegt, die links, von Holz fortgesetzt, in den Oberstock führte, in dem erhal- 
tenen Stück aber den Zugang zu einem kleinen Bade bildet, deren es in 
mehren pompejanisehen Häusern ähnliche oder etwas ausgedehntere giebt. Das 
gegenwärtige besteht aus zwei kleinen, mit Tonnengewölben überdeckten 
Cellen, Welche ein Tepidarium 15 und ein Caldarium 16 darstellen. Das letz- 
tere, welches seine Hitze von der Küche durch heiße Luft erhielt, die in 
seine suspensurae und Hohlwände eingeführt wurde, hat mit farbiger Stein- 
nachahmung decorirte Wände in unechtem, zur Zeit des dritten Stils imitirtem 
zweiten Stil, während das Tepidarium, mit einer monochromen Decoration 
echten zweiten Stils in gelb, übrigens von geringem Werth, seine Warme von 
dem Caldarium aus durch ein 1,60 M. über dem Boden befindliches rundes 
Loch neben der mit einem Bogen überspannten engen Thür erhielt, welche 
beide Räume verbindet. Beide Räume haben einen schwarzweißen Mosaik- 
fußboden; außer Ornamenten stellt der des Tepidariums Gladiatorenwaffen, 
Vögel und Delphine, der des Caldariums tanzende Satyrn dar. Im Caldarium 
ist außerdem durch das Mosaik und durch die Wandmalerei der Platz eines 
Ruhebettes angegeben, auf welchem ausgestreckt man sich dem Genuss des 
Schwitzens hingab. Den Xystus 17, von nicht ganz regelmäßiger Form, um- 
giebt eine Porticus von weißen, gekanteten, links durch eine roth gemalte 
Brüstungsmauer verbundenen Säulen. Im Hintergrunde ist der Xystus mit 
drei kleinen Hermen bakchischen Charakters aaa geschmückt, während vorn 
ein marmorner Tisch Z2 und eine dreieckige Basis von schwarzem Granit stand, 
welche einen Candelaber oder auch eine Blumenvase getragen haben mag. Im 
Peristyl ist die eine Marmorbekleidung nachahmende Decoration zweiten Stils 
bewahrt geblieben, und so auch in allen anliegenden Zimmern außer 23. Diese 
Zimmer dienten theils als Speiseräume, theils zu beliebigem Aufenthalt. Wir 
verzichten darauf, ihnen besondere Namen als Oeci, Exedren u. s. w. zu geben, 
und bemerken nur, dass 19 ein Cubiculum mit Vorzimmerchen (procoetunz), 
und dass in der linken hintern Ecke von 21 eine große Nische angebracht 
war, deren Bestimmung nicht klar ist; vielleicht war sie als Aedicula gestaltet. 
Die hinteren Gemächer lagen über dem anstoßenden Hospitium "Zum Ele- 
phantena; ihr Fußboden ist eingestürzt, so dass die Gestalt von 24, welches 
gewiss mehre Zimmer umfasste, nicht mehr zu erkennen ist; 23 ist im letzten 
Stil ausgemalt. Die Thiir rechts hinten in der Porticus führt von der Straße 
in den auch durch 8, 9 zugänglichen Keller, welcher sich unter dem ganzen 
Complex l7--21 hinzieht und zu dem auch 22 gehört, welcher Raum aber 
höher ist als die anderen Kellerräume, so dass über ihm kein Zimmer am
        

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