Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874471
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Haus ldes M. Caesius Blandus. 
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einem Impluvium von Tuff , hinter dem zwei gemauerte Tischfüße stehn, 
und einer Cisternenmiindung, hat theils rothe, theils gelbe Wände, welche 
außer mit weiblichen schwebenden Figuren von nicht sicher bestimmbarem Cha- 
rakter (Sogliano No. 803, 821, 830) mit einem doppelten Brustbilde geschmückt 
sind (Hlbg. No. 1247), in welchem man Hippolytos mit Phaedra erkennen zu 
dürfen glaubt. Der Fußboden des Atriums besteht aus schwarzem Mosaik mit 
weißem Rande und unregelmäßig vertheilten bunten Marmorstückchen; das 
des Ostiums stellt auf weißem Grunde in Schwarz ein großes Steuerruder und 
einen Dreizack zwischen zwei Delphinen und einem Meerungeheuer dar, ferner 
auf der Schwelle gegen das Atrium eine Stadtmauer mit einem Thor und zwei 
'I'hiirmen nebst zwei Schilden. An diesem Atrium liegen vier Cubicula, von 
denen 6, neben dem Ostium, eine reiche architektonische Decoration zweiten 
Stils bewahrt hat, deren Mittelbilder aber bis auf geringe Reste zerstört sind. 
Die anderen sind, wie das Atrium selbst, im letzten Stil ausgemalt. Zwei liegen 
rechts, 4 und 5, von denen das erste auf rothen Wänden kleine Darstellungen 
aus dem s. g. Stillleben, das zweite auf gelben Wänden mit leichten Archi- 
tekturen schwebende Eroten zeigt; 7 , links 5 gegenüber , hat auf weißem 
Grunde zwischen gelben Feldern leichte Architekturen und in den Mittelfel- 
dem kleine Rundbilder, unter denen eins der nicht seltenen Brustbilder des 
von Eros begleiteten und umschmeichelten Paris (Hlbg. No. 1274) hervorzu- 
heben ist. 8 war früher ein Laden; später schloss man den Eingang von der 
Straße und benutzte das Local zu irgend welchen wirthschaftlichen Zwecken 
und zugleich als Durchgangsraum zu dem Gange 9, welcher zu dem unter dem 
hintern Theil des Hauses befindlichen Keller führt. In der Mauer links neben 
der Thür zu diesem Raum war in früherer Zeit eine 0,40 M. vom Boden ent- 
fernte, mit einem Muster von kleinen bunten Quadern, nach Art des ersten 
oder zweiten Decorationsstils bemalte Nische, wohl ohne Zweifel für die Laren- 
bilder bestimmt. Als nun das Atrium im letzten Stil neu decorirt wurde, hat 
man die Nische nicht ausgefüllt, wohl aber, wir wissen nicht recht wie, die 
neue Stuckschicht über sie hinweggefihrt, so dass sie als eine Höhlung be- 
Stehn blieb, welche nun von dem Thürpfosten aus durch eine nur 0,175 M. 
breite Spalte zugänglich gemacht wurde, in welche man grade bequem die Hand 
einführen kann. Was man in dieser Art Schrank verwahrt haben mag (Fiorelli 
denkt an WVachstafeln oder Schriftrollen), das wird wohl schwer zu errathen 
sein. Von den Alae 10, 10 a ist die erstere in jüngerer Zeit durch eine Wand 
in zwei Theile getheilt und jeder derselben als Schrank, wohl zur Aufbewah- 
rung von Geräthen und Gefäßen der Haushaltung, verwendet worden, ähnlich 
wie wir es im Hause des Holconius (s. unten No. 13) finden werden. Die 
rechte Ala 10a, hat weiße Wände mit leichten Architekturen; ihr Mosaik- 
fußboden ist schwarz wie der des Atriums, aber ohne die farbigen Marmorstiicke, 
und hat in der Mitte ein quadratisches Ornament, welches, wenn hier gespeist 
wurde, den Platz des Tisches bezeichnen konnte; ein schwarzes Ornament mit 
Wenigen farbigen Zuthaten auf weißem Grunde bildet die Schwelle. Das 
Tablinum 11 hat gegen das Atrium eine farbige Mosaikborde; sein hinterer 
Ausgang ist nachträglich durch Ziegelmauerstiicken verengt worden. Das mit 
zwei Thiiren nach dem Atrium und dem Peristyl geöffnete oecusartige Gemach
        

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