Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874443
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Viertes Capitel. 
thönernen Gefäße Hydrien nennt sie der Fundbericht) übereinstimmen, muss 
dahingestellt bleiben. Im Atrium fand man 38 Gewichte von Blei, zum Theil 
mit der auch sonst noch vorkommenden Inschrift EME auf der einen und 
HABEBIS auf der andern Seite (d. h. wkaufea und ndu wirst habena, natürlich : 
die mit diesen Gewichten gewogenen Waaren). Im Übrigen ist unter dem 
Hausrath außer den chirurgischen Instrumenten nichts besonders Interessantes 
gefunden worden. Der Laden 3 mit dem Hinterzimmer 4 an der rechten 
Ecke des Hauses hat wenigstens in der letzten Zeit nicht zu diesem gehört, 
sondern stellt mit ein paar Oberzimmern, zu denen die Treppe in 3 führte, 
eine Miethwohnung für sich dar. 5 Atrium mit dem Impluvium von Tuff: 
hinter demselben die Mündung der Cisterne ; 6 verschiedene Zimmer, von 
denen dasjenige an der Straße, mit einem viereckigen Fenster, in seinem vom 
Hauseingang entferntesten Theil einen Zwischenboden hatte, zu dem man auf 
einer hölzernen Treppe hinaufsteigen musste; die Wände sind hier nur ganz 
roh verputzt; am Boden liegt ein doch wohl hier gefundener kleiner Mühl- 
stein: vermuthlich diente das Zimmer zu wirthschaftlichen Zwecken und zu- 
gleich als Sclavemvohnung. Die übrigen sind Cubicula von verschiedener 
Größe. 7 Tablinum; 8 Alae: aus der rechten führt eine Thür zu den Neben- 
räumen; 9 Sommertriclinium  10 YVintertriclinium, welches seine jetzige 
Form dem oben erwähnten Umbau verdankt, früher aber nicht größer war als 9. 
Hinter diesem alten und regelmäßigen Theil des Hauses lag noch ein Garten, 
und vor demselben eine von Pfeilern getragene Porticus: wenigstens ist der 
gleich neben der Brunnenmündung sichtbare Pfeiler aus Kalksteinquadern 
erbaut. Erst in römischer Zeit wurde die Porticus beseitigt durch den Bau 
zweier Zimmer: 19 kleines Sommertriclinium mit Fenster auf den Garten 20, 
und 21 kleines, sehr einfach gemaltes Schlafzimmer, vielleicht für einen Scla- 
ven. So blieb von der Pfeilerhalle nur ein auf den Garten geöffneter, bedeckter 
Raum 16 übrig, und der erwähnte stehen gebliebene Pfeiler erscheint ziemlich 
zwecklos. 18 Treppe zu oberen Räumen, natürlich nicht älter als 19 : das alte 
Haus hatte ursprünglich nur ein Erdgeschoss. Aus I6 führt neben der Treppe 
eine Thür zu den Nebenraumen; sowohl diese Thiir als die in der rechten 
Ala (8) ist allem Anschein nach alt, aus der Zeit der Kalksteinatrien. Und 
aus derselben Zeit stammt ein T heil (bei 22) der Trennungsmauer zwischen den 
Nebenräumen und dem ahstoßenden Gebäude. Wenn also diese N ebenräume 
auch vielleicht nicht von Anfang an zum Hause gehörten, so scheinen sie doch 
schon in jener alten Periode mit demselben vereinigt, dann aber ganz umgebaut 
worden zu sein; denn in ihnen selbst finden wir nur jüngeres Mauerwerk. 
Aus der Ala führt der stumpfwinklig gebrochene Gang 12 in die Küche 13 mit 
Heerd und Abtritt a. An dem Gange liegt rechts zuerst ein wie es scheint 
fensterloser Raum 23, unbekannter Bestimmung, dann der kleine unbedeckte 
Raum 22, in welchen das auf das Dach der N ebenräume fallende Regenwasser 
zusammenfloss; der Boden ist mit opus Signinum belegt und gegen den Eingang 
geneigt : eine Rinne führt auf die hinter dem Hause entlang gehende Straße. 
An der Küche vorbei gelangt man zu einem hintern Ausgange (posticunz) 14, 
neben welchem ein zweiter Abtritt 15 liegt. Das der Küche gegenüberliegende 
Gelass 11 ist wohl eine Vorrathskammer, apotkeca, 17 ein Raum unbekannter
        

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