Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874283
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Viertes Capitel. 
weniger vollständig ist, indem manche, auch recht ansehnliche Häuser sich 
begnügen, die Säulengänge an drei Seiten herumzuführen, wie z. B. das Haus 
der schwarzen YVand (VII, 4, 59), das der capitellißgurati (VII, 4, 57) und 
noch viele andere. Hier wird die vierte Seite durch die oft mit Halbsäulen 
oder Pilastern verzierte Außenwand des Hauses gebildet. Auch an Häusern 
die nur auf zwei Seiten des Peristyls Säulengänge haben, fehlt es nicht; wir 
nennen als Beispiel die unten zu besprechende casa dbidone (oder della toletta 
delf Ermqfrodita, VI, 7, 18). Und es kam auch in der Blüthezeit des Peristyl- 
baues noch vor, dass man sich in einem reichen Hause, wie das des Epidius 
Rufus (IX, 1, 20), nach alter Weise mit einer quer vor dem Garten liegenden 
Säulenhalle begnügte. Um diesen Hof des Peristyls und seinen bedeckten 
Säulengang gruppiren sich nun die Privatgemächer der Familie, ähnlich wie die 
Zimmer des Vorderhauses um das Atriumf Hier finden wir zunächst die Schlaf- 
zimmer (cubicula) 15, in größeren Häusern bisweilen mit einem Vorzimmer, pro- 
coeton 15 a, verbunden, in welchem ein Diener schlafen konnte. Im eigentlichen 
Schlafzimmer ist manchmal noch der Platz für das Bett als Nische oder Alko- 
ven y von dem Hauptraum ß abgetheilt. Doch ist diese letztere Sitte schon seit 
der ersten Zeit der römischen Colonie, der Zeit des zweiten Decorationsstils 
abgekommen: man begnügte sich seitdem, die Stelle des Bettes durch die 
Malerei der Wände und durch das Mosaikmuster des Fußbodens zu charakte- 
risiren. Die Zahl der cubicula ändert sich natürlich nach dem Bedürfniss der 
Familie. Ferner begegnen wir den Speisezimmern, triclirzia  so genannt 
von den drei Speisesophas oder Bänken, welche das Zimmer an drei Seiten 
umgeben, während die vordere vierte frei blieb, um der aufwartenden Diener- 
schaft Zugang zu dem in die Mitte gestellten Speisetisch zu gewähren. Ge- 
wöhnlich unterscheidet man ein Sommer- und ein YVintertriclinimn (16 u. 16' 
auf dem Plane Fig. 135), deren ersteres in einer möglichst wenig sonnigen 
Lage angebracht wurde und gegen das Peristyl ganz offen war, wie die Alae 
und das Tablinum gegen das Atrium, um frische Luft einzulassen und die 
Aussicht auf das Peristyl mit seinen Blumen, Springbrunnen und sonstigen 
Decorationen zu gestatten. Das Wdntertriclinium dagegen legte man an den 
sonnigsten Ort und öffnete es weniger weit, um den Zutritt der Luft abzuhalten. 
In großen Häusern steigt übrigens die Zahl der Speisezimmer auf eine be- 
deutende Höhe, und dieselben unterscheiden sich nicht allein in der angege- 
benen Art nach den Jahreszeiten, sondern sowohl nach der Größe wie nach 
der Pracht der Decoration, welche dem Aufwand der in ihnen gefeierten Mahle 
sich anpasste, und noch sonst in mancherlei Art. Die gewöhnlichen Triclinien 
fassten neun Personen. Für ganz große Gastmähler konnten. falls kein 
großes Speisezimmer (oecus) vorhanden war  ein besonders großes hat das 
Haus des Popidius Secundus  die Hallen des Peristyls und das Atrium be- 
nutzt werden. Näheres über die Einrichtung der Triclinien wird sich bei der 
Beschreibung einiger Häuser in Pompeji beibringen lassen. Ferner verdienen 
als das Peristylium umgebende Gemächer außer der Küche nebst Vorrathskam, 
mer, 17 auf dem Plane Fig. 135, besonders noch Erwähnung die oeci und exedrae. 
indem sie mehr als die später anzufiihrentlen der Norm eines Mittelbauses an- 
gehören. Die oeci, von 0171109. waren weite Säle, die größten Gemächer des
        

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