Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874279
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Fauces. 
Der private Theil. 
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pflegt ihn Fauces zu nennen, ein Name, den wir, obgleich seine Berechtigung 
zweifelhaft ist (vgl. oben S. 255), doch in Ermangelung eines andern beibehalten. 
Ein ursprünglicher und wesentlicher Theil des uns in Pompeji vorliegenden 
Haustypus war dieser Gang wohl nicht. Er fehlt auch in großen und stattlichen 
Häusern der Tuffperiode nicht selten; in einigen besonders alterthümlichen ist 
er erst später von einem der neben dem Tablinum liegenden Zimmer abgetrennt 
worden : so in der Casa di Sallustio (ferner in den Häusern VI, 13, N0. 2 u. 6). 
Namentlich ließ man ihn aber da gern fort, wo durch ein Nebenatrium eine 
zweite Verbindung mit den hinteren Räumen ermöglicht war, wie in zwei 
großen Häusern in der Nähe des Brunnens mit dem Hahn (S. 241): VII, 
15, 2 und insula occidentalis 11. Nur ganz ausnahmsweise wurden, der Sym- 
metrie halber, zwei solche Gänge, einer auf jeder Seite des Tablinums, an- 
gelegt; in Pompeji finden wir dies" in der Casa dei Capitellißgurati {oder 
dlßlrianna, VII, 4, 31). 
Mit der Anlage der Fauces hängt eine weitere Veränderung zusammen: 
das auf der betreffenden Seite neben dem Tablinum liegende Zimmer verlor 
jetzt seine Verbindung mit dem Atrium. Überhaupt aber musste es wün- 
schenswerth sein, die beiden großen Zimmer neben dem Tablinum nicht mehr 
zum Atrium, sondern zu dem neuen Centrum des Hauses, dem Peristyl, in 
Beziehung zu setzen. Daher finden wir durchweg in den Häusern der Tuff- 
periode diese beiden meist als Triclinien benutzten Zimmer mit einer breiten 
Thür auf das Peristyl geöffnet, auch in den Häusern, welche keine Fauces 
haben. Sehr häufig sind die Thüren, mit welchen sie früher auf das Atrium, 
neben dem Tablinum, geöffnet waren, vermauert und in blinde Thüren ver- 
Wandelt. 
Durch die Fauces also betreten wir den privaten Theil des Hauses, 
dessen Mittelpunkt wiederum ein dem Atrium entsprechender offener, säulen- 
umgebener Hof, 13 auf dem Plane Fig. 135, bildet, welcher den Namen des 
entsprechenden Theiles des griechischen Hauses, Peristylium, lateinisch Por- 
ticus erhalten hat. Das Peristylium ist jedoch bedeutend weiter offen, als das 
Atrium, immer von Säulen umgeben, welche oft einen obern Umgang trugen, 
und häufig in der mittlern Öffnung unter freiem Himmel als Garten, xystus, 
behandelt, wohl auch dann, wenn die Häuser einen eigenen Garten hinter 
sich hatten; häufig auch ist im Innern des Säulenumgangs ein Wasserbassin 
mit einem Springbrunnen oder einer Nische mit Wasserwerk, die piscina 14, 
angebracht, und diese wiederum nicht selten mit Blumenbeeten umgeben. 
Heiterkeit und Luftigkeit war hier der Hauptzweck der Anlage, weshalb wir 
auch die Säulen von leichter, meist korinthischer Ordnung und weit gestellt 
finden. In der Kaiserzeit, vermuthlich etwa seit der Zeit Neros, liebte man 
68, das dem Tablinum entsprechende Interoolumnium, und auch wohl das 
gegenüberliegende auf der Rückseite, dadurch auszuzeichnen, dass man sie 
weiter und höher machte als die übrigen. Wir finden daher häufig, dass mit 
._den früher in gleichmäßigen Zwischenräumen stehenden Säulen ähnliche Ver- 
änderungen vorgenommen sind, wie die, welche wir im Hofe des Isistempels 
und in der Palaestra der größeren Thermen (S. 105 u. 218) beobachten konnten. 
Noch muss bemerkt werden, dass die Anlage des Peristyls bald mehr bald
        

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