Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874263
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Viertes Capitel. 
im Hause des Sallust, oder auch ganz durch eine Mauer geschlossen. Seine 
Bedeutung ist sicher in verschiedenen Zeiten eineverschiedene gewesen. In 
den ältesten pompejanischen Hausern bildet es die Verbindung zwischen Haus 
und Garten: es diente als Durchgang zu dem letztem, und mochte überdies als 
kühles und luftiges Sommerzimmer benutzt werden: in der That berichtet uns 
Varro, dass man im Sommer im Tablinum zu speisen pflegte. Eine ganz an- 
dere Stellung erhielt es in den großen palastartigen Häusern der Tuffperiode 
und der spätem Zeit. Hier liegt es auf der Grenze des privaten und des 
gewissermaßen öffentlichen Theiles des Hauses: wir dürfen annehmen, dass 
hier der vornehme Hausherr unter die ihn erwartenden Clienten trat, dass 
hier sein eigentliches und officielles Empfangszimmer war. Am einleuchtend- 
sten ist dies da, wo es hinten offen ist. Wie sehr aber dies die Regel war, 
wie sehr man die Verbindung zwischen den beiden Theilen des Hauses als das 
eigentliche Wesen des Tablinums betrachtete, geht daraus hervor, dass man 
da, wo die Raumverhältnisse die Anlage eines Tablinums nicht gestatteten, 
stets einen in der Breite ihm entsprechenden Durchgang zwischen Atrium und 
Peristyl anbrachte, wie z. B. an dem nördlichen Atrium der Oasa de! Citarista 
(I, 4, 25, domus L. Optaii Rapiani) und in den Häusern VI, 14, 12 und 
VII, 7, 5. 
Der Name tablinum oder tabulinum ist natürlich von tabula abzuleiten; 
doch kennen wir damit noch nicht seine Bedeutung, da tabula Verschiedenes 
bezeichnen kann. Schon die Alten waren im Zweifel über die Erklärung des 
Wortes. Festus sagt, die alten Magistrate hätten hier ihre amtlichen Docu- 
mente (tabulae) aufbewahrt, so dass also das Tablinum für den Einzelnen das- 
jenige gewesen wäre, was das Tabularium für das Gemeinwesen war. Es ist 
aber undenkbar, (lass ein alter und regelmäßiger Theil des Hauses seinen 
Namen von einem Gebrauch erhalten haben sollte, der nur in sehr wenigen 
Fällen stattfinden konnte. Ungleich glaublicher ist daher die Ableitung des 
Namens von den Bretterverschlägen, mit denen es, wie auch in Pompeji viel- 
fach nachgewiesen werden kann, gegen das Peristyl oder den Garten ge- 
schlossen werden konnte. Sehr ansprechend ist endlich die neuerdings von 
Nissen gegebene Erklärung, dass nämlich Tablinum ursprünglich nicht einen 
Theil des Hauses selbst bezeichnete, sondern eine im Garten aufgeschlagene 
Laube aus Brettern (tabulae; Varro a. a. O.: in tabulino, guod maenianum 
possumus intellegere tabulisfabricatum), und dass man dann später diese Laube 
als stehenden Bestandtheil dem Hause einverleibt, sie in ein vorn und hinten 
offenes Sommerzimmer verwandelt, den alten Namen aber beibehalten habe 172). 
Vorher war dann an dieser Stelle ein geschlossenes Zimmer, und hier stand 
vermuthlich das Bett des Hausherrn. 
Da das Tablinum Wohnzimmer, später Staatszimmer war, so musste es 
wünschenswerth sein, noch eine zweite, namentlich für die Dienerschaft be- 
stimmte Verbindung zwischen Atrium und Garten oder Peristyl zu haben. 
Wir finden daher schon in den alten Kalksteinatrien Pompejis bisweilen neben 
dem Tablinum einen engen Verbindungsgang, der freilich damals noch sehr 
häuiig gefehlt zu haben scheint. In den Peristylhäusern der Tuffperiode wird 
das Vorhandensein dieses Ganges, 12 auf dem Plan Fig. 135, zur Regel; man
        

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