Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874230
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
Atrium. 
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Sehen ab von solchen lilällen, wo Peristylien von ihren Atrien getrennt und so 
gewissermaßen selbst zu Atrien geworden sind. 
Abweichender ist das Atrium displuviatum, obwohl es noch zu den mit 
innerer Öffnung versehenen gehört, indem bei ihm das Dach nicht nach 
innen, sondern nach außen geneigt ist, so dass der Regen nicht in das 
Impluvium zusammenfioss, sondern in Rinnen gesammelt wurde, welche, an 
der äußern Dachkante angebracht, ihren Inhalt in Röhren ergossen, die das 
lrVasser in die Cisterne führten. Vitruv nennt diese Art der "Bedachung bequem 
Wegen der größern Helligkeit, indem das Dach mit dem höher gelegenen 
Compluvium den am Atrium liegenden Triclinien nicht das Licht wegnahm. 
hebt aber den Nachtheil für die umgebenden Wände hervor, der dadurch ent- 
stand, dass das YVasser aus der horizontalen Rinne am untern Dachrand nicht 
schnell genug durch die senkrechten Röhren abgeführt wurde und daher über- 
lief. Irrthümlich hat man als Beispiel hiervon die s. g. Casa di Modesto (Plan 
N0. 24, s. unten S. 273) angeführt. 
Endlich war das Atrium testudinatum mit dem displuviatum in so fern ver- 
wandt, als auch bei ihm das Dach sich nach außen neigte, unterschied sich 
aber von allen anderen Atrien dadurch, dass es, ganz bedeckt, keine Complu- 
vialöffnung hatte. Der Name stammt von dem Vergleich des Daches mit der 
Schale einer Schildkröte (testudo); aber irrig ist es, anzunehmen, die Atria 
testudinata seien gewölb t gewesen; vielmehr hat man sie sich als mit einem 
vierseitig abfallenden und in der Mitte in eine Spitze zusammenlaufenden 
Dache gedeckt zu denken. Es scheint aber, dass Vitruv unter diesem Namen 
auch solche Atrien begreift, über welchen sich von einem Balkengerüst ge- 
tragene Wohnräume befanden. Für die Erleuchtung musste natürlich durch 
Fenster gesorgt werden. Pompeji bietet uns kein Beispiel eines derartigen 
Hauses. 
Bei den ersten drei Arten des Atriums, deren Dach nach innen geneigt ist, 
Wurde in größeren und stattlicheren Häusern, namentlich der Tuffperiode, der 
Rand des Compluviums durch Traufkasten gebildet, aus welchen, wie aus 
einer Art Dachrinne, das Wasser sich durch Wasserspeier in Form von Thier- 
köpfen in das Impluvium ergoss. Über diese Wasserkasten ragten dann noch, 
Wo die Verzierung des Dachrandes vollständig war, Stirnziegel (Antefixen) 
hervor, welche den Abschluss der Hohlziegel bildeten und meistens entweder 
als Palmetten oder als menschliche Köpfe gebildet waren. Ein sehr schönes 
Beispiel einer solchen Vorrichtung zum Wasserausguss, welches aus einem 
der Häuser in der Nähe der Porta Marina (VII, 15, 2) stammt und in einem 
Laden an der Ecke der Strada (Zel Foro und der Slmda deglz" Augustali (Süd- 
Westecke der Insula VII, 4) aufgestellt ist, giebt Fig. 143 wieder. Hier sind 
die Wasserspeier nicht bloße Köpfe, sondern ganze Vordertheile von Hunden, 
unter deren Füßen das Wasser durch ein mit einem Akanthusblatt 0rnamen- 
tirtes halbes Rohr abfloss. In den Ecken, wo der Abfluss natürlich am stärksten 
War, ragte je ein Löwe mit einem größern Rohr über die Hunde empor 118). 
Üb unter dem Dache des Atriums noch eine horizontale Felderdecke an- 
gebracht Zu sein pflegte, kann nicht mit Sicherheit ausgemacht werden, da 
die Wände fast nie bis über die Höhe des Compluviums erhalten sind. In 
17'"
        

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