Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874192
Die Privatgebäude. 
Wohnhäuser  
Atrium. 
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hund, den unsere Abbildung (Fig.138) darstellt M). Das Ostium, welches in ganz 
einzelnen Fallen so gut wie das Vestibulum gänzlich fehlt, so dass man durch 
die Hausthür unmittelbar das Atrium betritt (s. z. B. 
unten Fig. 156 und in dem Hause I, 3, 23), steigt   I  1   t I, 
in der Regel nach einer kurzen Strecke, Welche    . . . . . .  
der eiinvärts schlagenden Thür wegen horizontal  I Ilf x l"- : I j I I, 
lie t s. Fi .136 ve en das Atrium etwas an um . . . E. '   - ß . s i - 
(ICE Äbflusä des öai-tsvag in's Atrium eingedrungenen      I  
Regenwassers und doch Wahrscheinlich auch des  
beim Reinigen gebrauchten Wassers zu erleich- Fig-_138_ Biosaikhund. 
tern. Demselben Zwecke dienten wohl auch die  
häufig in diesem Gange angebrachten, durch runde Steine geschlossenen 
Öffnungen der weiterhin zu erwähnenden, aus dem Impluvium auf die Straße 
führenden bedeckten Rinne; wenngleich Hauptzweck derselben wohl die 
gelegentliche Reinigung dieser Rinne selbst War. Es sei noch bemerkt, dass 
der Name osliunz für den Hausilur hinter der Thür zweifelhaft ist. Vitruv, wo 
er die Größenverhältnisse des Atriums und der umliegenden Räume vor- 
schreibt (VI, 4, 5), nennt ihn fauces; an einer andern Stelle (VI, 10, 5, vgl. 
VI, 10, 1) scheint er zu sagen, dass ihn die Römer, nichtdie Griechen, pro- 
tlzyron nannten. Eine zweite Thür am innern Ende des Ostium, gegen das 
Atrium, ist ungewöhnlich; zwei sichere Beispiele bieten die Casa dbfldone 
(oder rlella toletta del? Ermafrorlila, jetzt ciomus M. Asellini, VI, 7, 18) und das 
Haus des L. Caecilius Jucundus (V, 1, 26). Wo sich keine solche zweite Thiir 
fand, also in der Regel, wurde das Ostium gegen das Atrium entweder durch 
einen Vorhang (velum) oder auch gar nicht abgeschlossen. 
Auf das Ostium folgt unmittelbar das Atrium, der, wie schon zu Fig. 134 
bemerkt, bei weitem am meisten charakteristische Theil des römischen Hauses. 
Der Name ist wahrscheinlich von ater, schwarz, abgeleitet, und es ist, wie 
auch das griechische yälaügov, so genannt worden, weil seine Decke vom 
Rauche des Heerdes geschwarzt wurde, was natürlich in noch viel höherem 
Grade der Fall war bei den alten Häusern mit Giebeldächern, deren Haupt- 
raum vermuthlich schon denselben Namen führte. Hier hatte ein zweiter, 
atriensis genannter Sclave den Dienst und die Wache, als dessen Aufenthalt 
(cella atriensis) wir etwa das Zimmer 7 neben der Treppe 8 bezeichnen können. 
Vitruv unterscheidet fünf Arten von Atrien, das tuscanische, das tetra- 
style, das korinthische, das displuviatum und das testudinatum. Wenige Worte 
Werden genügen, um diese Benennungen, von denen wir die drei ersten in 
Pompeji mit Beispielen belegen können, klar zu machen. Die ersten vier Arten 
waren theilweise, das testudinatum allein war ganz bedeckt. Das Atrium tusca- 
nicum ist das einfachste von allen. Es ist ein viereckiger Hof, dessen nach innen 
gßncigtes Dach von zwei mit ihren Enden in die Langwailde eingelassenen 
Hauptbalken und zwei in dieselben eingebundenen oder auf ihnen liegenden 
Querbalken getragen wurde. Die folgenden beiden Abbildungen, ideale aber 
wahrscheinlich im Ganzen richtige Reconstructionen Mazois" werden Alles leicht 
verständlich machen. a sind die Mauern, b die Hauptbalken (trabes), c die auf 
den Hauptbalken aufliegenden Querbalken (zinterpensiva), durch welche die
        

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