Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874167
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Viertes Capitel. 
Treppe an jedem Ende zugängliche breite Rampe vor dem Hause des Epidius 
Rufus (Plan N0. 116 ; s. unten) zu betrachten haben. Hinter derselben beginnt 
die "Wohnung mit einem Raume, dem Vestibulum m), der auch seinerseits in so 
fern noch nicht zu den eigentlichen Theilen des Hauses gerechnet werden darf, 
als er außerhalb der Hausthiir lag, dennoch aber zum Hause gehörte, in so 
fern er in den Bereich der Umfassungsmauern fällt. Das Vestibulum ist nämlich 
ein gegen die Straße unverschlossener Flur, in dessen Grunde die Hausthür 
(ianua) sich befindet, begrenzt zu beiden Seiten von den vorspringenden Flü- 
geln des Gebäudes, 2 in dem Plane Fig. 135. Dieser Flur kann nun von sehr 
verschiedener Größe und Ausstattung sein; er kann fast auf ein Nichts zu- 
sammen schrumpfen, oder gradezu fehlen; und davon sind die Beispiele in 
Pompeji auch in großen Häusern keineswegs selten. In anderen Fällen wird 
er zu einem Gange von verschiedener Tiefe, wächst auch in die Breite und 
kann die Größe eines Gemaches annehmen, wie wir dieses auch, wenngleich 
in bescheidenem Maßstab, in einigen Häuserplänen Pompejis finden werden. 
In ganz großen Privathäusern und in Palästen kann das Vestibulum zu einem 
weiten, saalartigen, mit Säulenhallen umgebenen Raum anwachsen, der mit 
Statuen, auch Reiterstatuen und Viergespannen geschmückt wird, große 
Wasserbassins einschließt ; wie dies z. B. in N eros Palast der Fall war, Verhält- 
11isse, die uns nicht berühren. _ Immer aber ist das Vestibulum eingeschlossen 
von den Flügeln des Hauses, mögen diese groß oder klein sein und enthalten 
was es immer sein mag, Läden, Wohnräume oder Hallen, und stets liegt 
das Vestibulum hinter der Straßenflucht des Hauses. In einigen Fällen, die 
uns angeführt werden, war es unbedacht; in anderen, und dies ist in Pom- 
peji durchaus die Regel, ist es sicher mit unter das Dach des Hauses gefasst 
wordenlß). Auf das Vestibulum öffnet sich in einigen Fällen der Raum für 
die Treppe in das, in diesem Falle wohl immer als getrennte Miethwohnung 
zu betrachtende Obergeschoss. Gegen die Straße wird es in manchen Fällen 
gar nicht, in anderen durch eine einfache Schwelle, in noch anderen durch 
eine oder auch ein paar flache Stufen begrenzt und öffnet sich gegen dieselbe 
meistens zwischen zwei antenartig gegliederten Mauerpfeilern, Welche auch 
durch ein paar Säulen ersetzt werden konnten 114). So ist das Vestibulum inner- 
halb des Hauses, und dennoch, als unverschließbar und unverschlossen, kein 
eigentlicher Theil desselben, diente, außer zu gewerblichen Zwecken, haupt- 
sächlich als Vorzimmer für ungeladene Besucher, welche hier abwarteten, 
ob sie vorgelassen werden sollten oder nicht. Wo das Haus mit der Straße 
einen schiefen Winkel bildet, wird derselbe durch das Vestibulum ausge- 
glichen, so dass dies schiefwinklig, der innerhalb der Thür liegende Gang 
aber rechtwinklig ist. Im Grunde des mehr oder weniger tiefen Vestibulum, 
wo ein solches vorhanden, sonst unmittelbar an der Straße, liegt die meistens 
Zweiflügelige Hausthür (ianua) 3, welche sich stets nach innen öffnet. Eine 
nur scheinbare Ausnahme von dieser Regel bildet die Casa de! Fauna; denn 
in Wahrheit hat dieselbe zwei Thiiren, von denen nur die innere sich nach 
außen öffnet. Ein solcher doppelter Verschluss begegnet nur selten: wir 
finden ihn außerdem noch im Hause des Epidius Rufus (IX, 1, 20). In beiden 
Fällen war, wie die Löcher für die Riegel beweisen, die äußere Thür drei-
        

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