Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874144
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Viertes Capitel. 
Eine neue Periode der römischen häuslichen Architektur können wir vom 
letzten Jahrhundert der Republik an datiren, als Rom den Einflüssen Griechen- 
lands in Kunst und Sitte sich öffnete; für Pompeji beginnt sie wohl noch etwas 
früher. Dieser Periode gehört die Erweiterung des römischen Hauses durch 
v01n griechischen Hause entlehnte Räumlichkeiten mit griechischen Namen, 
sowie der Beginn einer reichern architektonischen und decorativen Gestaltung 
der alten Theile an. Der hierdurch angebahnte Luxus, der sich mehr und 
mehr geltend machte, leitet bald in die letzte Periode hinüber, welche mit 
dem Ende der Republik beginnt, und deren wesentlicher Charakter der des 
Luxusbaus ist. Die Häuser wuchsen zu Palästen nach und nach von fabel- 
hafter Ausdehnung, und gleichzeitig nahm die Pracht und Kostbarkeit des 
Materials und der Ausschmückung zufobgleich das Grundschema des Planes 
der vorigen Periode auch in dieser noch festgehalten wurde. Wie rasch Luxus 
und Pracht zunahmen, können ein paar sehr bekannte Beispiele klar machen. 
Lucius Crassus War der erste, welcher in seinem Hause Säulen von fremdem 
Marmor anwendete; doch waren ihrer nur sechs von zwölf Fuß Höhe. Aber 
schon Marcus Scaurus zierte das Atrium seiner Wohnung mit monolithen 
schwarzen Marmorsäulen von 38 Fuß Höhe, während Mamurra, Zeitgenoss 
J ulius Caesars, sich nicht mehr mit Marmorsäulen allein begnügte, sondern der 
erste war, welcher die Wände seines ganzen Hauses mit Marmortafeln beklei- 
dete. Den besten Maßstab fiir die reißende Zunahme des Luxus finden wir 
in der Angabe des Plinius, dass Lepidusl Haus, im Jahre 676 der Stadt 
(78 v. Chr.) in jeder Weise das schönste in Rom, fünfunddreißig Jahre später 
kaum das hundertste an Pracht und Glanz war. In dieser Zeit wurde das 
Angebot der Kaufsumme von nach unserem Gelde fast einer Million Mark, 
welches Ahenobarbus dem Crassus für sein Haus that, als zu gering abgelehnt. 
Von ähnlicher Pracht und Größe wie die Häuser in der Stadt waren die Villen 
und Landhäuser der Großen und Begüterten; wir brauchen nur die Nachrichten 
über Ciceros Tusculanum, über die Häuser und Gärten des Sallust und Yarros 
Ausspruch, nSOIISt baute man dem Zwecke gemäß, jetzt baut man, um allen 
erdenklichen ausschweifenden Launen zu genügena, zu vergleichen, um uns 
hiervon zu überzeugen. Augustusl Reaction gegen den übertriebenen Luxus 
blieb wirkungslos, obwohl er selbst immer in einem verhältnissmäßig sehr 
einfachen Hause lebte und gar zu üppige Bauten seiner Tochter Julia ei11- 
reißen ließ. Nach seinem Tode schritt der Luxus um so gewaltiger fort, 
und zwar in dem Grade, dass unter Claudius ein reich gewordener freigelas- 
sener Sclave seinen Speisesaal mit 32 Onyxsäulen zierte und, um gleich das 
höchste Beispiel zu nennen, Neros sogenanntes goldenes Haus, dessen Porticus 
von 1000 Schritten Länge von drei Säulenreihen umgeben war, den Umfang 
einer mehr als mäßigen Stadt hatte, während gleichzeitig nach dem berühmten 
Brande Rom nach einem gemeinsamen Plan mit der größten Herrlichkeit 
wieder aufgebaut wurde. Dies war der Gipfelpunkt der Pracht und des Luxus 
der Privatbauten; von dieser Zeit an beginnt der Verfall, der zuerst allmählich, 
dann immer rascher fortschreitet, aber den weiter zu verfolgen über unsere 
Zwecke hinausgehn würde; wir kehren deshalb zu einer Betrachtung der 
normalen Anlage eines bürgerlichen römischen WVohnhauses mittlerer Größe
        

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