Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874138
Die Privatgebäude. 
Die Wohnhäuser. 
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umgebenden und von ihm in, der Hauptsache ihr Licht empfangenden Zimmer,  
ihrer drei an jeder Seite, von denen aber eines den Eingang darstellte, den 
Zwecken der Familie als Schlafzimmer (cubicula), Vorrathskammern (cellae 
pencwiae), Speisezimmer (cenacula) dienten, ohne dass iiber die Lage und Be- 
Stimmung jedes einzelnen dieser Räume sich Genaueres feststellen lässt. Die 
beiden letzten Räume rechts und links sind keine eigentlichen Zimmer, son- 
dern unverschlossene Erweiterungen des Atriums, und werden Flügel (alae) 
genannt. Ebenso ist das Mittelzimmer der Rückseite, das Tablinum, in allen 
uns erhaltenen Häusern der ältesten Zeit Pompejis nach vorn wie nach hinten 
in ganzer Breite geöffnet und bildet die Verbindung zwischen Atrium und 
Gartenm). Auf der Vorderseite des letztern war wohl häuiig durch ein von 
Pfeilern getragenes Dach eine bedeckte Halle gebildet. Die Wohnungen dieser 
Art haben wir uns in der ältesten Zeit in Anlage und Ausstattung äußerst ein- 
fach zu denken, so wie sie auch nur klein, sehr leicht gebaut und mit Holz, 
Brettern oder Schindeln gedeckt waren. Das Material war jedenfalls nach den 
örtlichen Bedingungen verschieden, stellenweise waren es Ziegel aus mit Stroh 
gemischtem, nicht gebranntem, sondern an der Sonne getrocknetem Thon, mit 
denen das Fachwerk von Holz ausgefüllt wurde; erst später traten gebrannte 
Ziegel an die Stelle. Von dem Material und der Bauart der pompejanischen 
Kalksteinhäuser, mit Lehm als Bindemittel, wird im ersten Capitel des zweiten 
Theiles die Rede sein. Da nun das Gesetz verbot, die Mauern mehr als llfz 
Fuß stark zu bauen, so ist es klar, dass die Häuser nur einstöckig sein konnten; 
und in der That ist dies bei den ältesten Häusern Pompejis offenbar der Fall 
gewvesen. Bei wachsender Bevölkerung stellte sich freilich das Bediirfniss 
oberer Geschosse als unabweislich heraus, und man musste die Mauern, 
um ihnen die nöthige Stärke zu geben, entweder aus Quadern herstellen, 
oder den Ziegeln, falls man diese verwandte, durch sorgfältige Bearbeitung 
und Brennen, namentlich aber ihnen sowohl als den kleineren Bruchsteinen 
durch guten Mörtel eine größere Festigkeit geben. Das als Terrasse gestaltete 
flache Dach des untern Geschosses nannte man Solarium, indem man dort in 
der kiihlern Jahreszeit den Sonnenschein aufsuchte, und aus den Solarien 
gingen durch Bedachung luftige obere Gemächer (pergulae) hervor. Da man 
nun auch häufig das obere Stockwerk für die Mahlzeiten benutzte, erhielten 
Seine Gemächer den Namen cenacula; im Allgemeinen aber dienten die oberen 
Stockwerke (tabuluta) zu Miethwohnungen. Nachdem durch Einrichtung oberer 
Geschosse einmal ein zweckmäßiger Weg zur Gewinnung von Raum auf be- 
schränktem Areal gezeigt war, fuhr man  wofür Vitruv (II, 8, 17) ausdrück- 
lich als Grund angiebt, dass bei wachsendem Raumbedarf das Areal des Erd- 
geschosses nicht ausreichte, so dass man die Höhendimension zu Hilfe nehmen 
musste,  mit der Hinzufügung von Stockwerken fort, bis allmählich die 
Häuser eine solche Höhe erreichten, dass sie die Straßen dunkel machten, bei 
Erdbeben, Feuersbriinsten und den Überschwemmungen, von denen Rom viel 
zu leiden hatte, die Gefahr vermehrten, und jene Beschränkungen der Höhe 
durch kaiserliche Gesetze hervorriefen, von denen oben gesprochen wurde. 
Indess alles dies fällt in spätere Zeit; die pompejanischen Kalksteinhäuser 
hatten, so weit wir erkennen können, keine oberen Räume.
        

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