Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874083
244 
Viertes Capitel. 
Travertinstein, der sehr wohl, mit Stuck bekleidet, ein einfacher Altar sein 
konnte, in der rechten Wand zwei kleine Nischen und unter denselben wie- 
derum eine niedrige Bank. Durch eine Thiir in der Rückwand gelangt man 
in ein kleines Hinterzimmer unbekannter Bestimmung. 
Als verwandt mit diesen volksthümlichen Straßenheiligthümern müssen 
endlich die mehrfach an Ecken und Mauern vorkommenden religiösen Male- 
reien hier erwähnt Werden, die, weil kein Altar vor denselben angebracht ist, 
mehr einen talismanischen als einen Cultcharakter tragen. Sie sind, wie man 
sich aus der Zusammenstellung in Helbigs WVandgemälden (N o. 7-94, zu denen 
noch manche hinzugekommen sind) überzeugen kann, zahlreich genug, bieten 
aber nur in einzelnen-Fällen ein hinlängliches Interesse, um auf ihren Gegen- 
stand auch nur flüchtig einzugehn. Dies ist besonders der Fall bei einem 
Gemälde an der Ecke der kleinen Straße (Vicolo dei dodici dei), welche von 
der Strada del? Abbondanza nach dem Vicolo dei teatri fuhrt (Plan CD_de), 
welches (Hlbg. N0. 7) die zwölf großen Götter darstellt, unter denen, beiläufig 
bemerkt, der Juppiter doch auch heute noch ziemlich unzweifelhaft als jugend- 
lich dargestellt erkennbar ist. Andere dieser Bilder zeigen uns einzelne der 
griechisch-römischen Gottheiten (Hlbg. N0. 8-26) ; wieder andere den Genius 
familiaris (31Aff), die Laren und Larenopfer (35-45) oder den Genius und 
die Laren verbunden (46-59) oder Laren und Penaten (60-66) u. dgl. m. 
Endlich müssen noch die vielfältigen Schlangenbilder (29 f.) erwähnt werden, 
darstellend meistens zwei gewaltige Schlangen, welche sich auf einen mit 
Früchten, meistens Pinienzapfen und daneben mit Eiern belegten Altar zu 
ringeln und dazu dienten, den Ort religiös zu weihen, gelegentlich nur, um 
ihn vor Verunreinigung zu schützen. Eines der gewaltigsten und interessan- 
testen dieser Schlangenpaare ist dasjenige an der Wand gegenüber der domus 
Sirici (Plan 91, DE-fg), Welchem die Inschrift otiosis locus hie non est, discede 
morator (vgl. Cap. 6) beigefügt ist. 
Viertes 
Capitel. 
Die 
Privatgebäude. 
Abschnitt. 
Erster 
Die 
Wohnhäuser 1073 
So groß in manchem Betracht das Interesse der öffentlichen Gebäude 
Pornpejis für den Alterthumsfreund theils durch ihre Erhaltung, theils und 
besonders durch ihre gegenseitige Lage, welche sie als ein Gesammtes erschei- 
nen lässt, sein mag, so kann man doch nicht läugnen, dass die Privatgebiiude 
ein bei WVeitem größeres Interesse für sich in Anspruch nehmen und von 
höherer Bedeutung für unser Studium des Alterthums sind, als jene. Denn so
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.