Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874060
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Drittes Capitel. 
Straße hineingebaut, und augenscheinlich deshalb an zwei Seiten mit einem 
eisernen Geländer umgeben gewesen, um Fußgänger vor dem Hineinstiirzen 
zu bewahren. Dies bereits bei der Entdeckung ganz verrostete Geländer ist 
bis auf ein paar Stümpfe im Stein verschwunden. Das Material ist fast überall 
Lava. Nur der Brunnen mit dem Hahn ist aus Marmor; der neben dem Ge- 
bäude der Eumachia und ein anderer am Kreuzpunkt der Nolaner und Sta- 
bianer Straße aus Travertin; nur einer, am Stabianer Thor, ist aus Tuff. 
Andere Brunnen in Pompeji bieten nun allerdings abweichende, aber 
nicht minder einfache Formen. So ist schon früher bei der Beschreibung des 
Forum triangulare sowie der Palaestra. durchbohrter Säulen Erwähnung gethan 
worden, welche als Brunnen dienten; ein Brunnen in demselben Stadtquar- 
tier hat ungefähr die Form eines Sitzes mit sehr niedriger Lehne, aus der aus 
vier kleinen Löwenköpfen die Wasserstrahlen in den das Bassin bildenden 
Sitz fielen. 
Diese Beispiele mögen genügen, um das immer gleichbleibende Princip 
der antiken Brunnen an den Straßen zu vergegenwärtigen, Diese Gleichheit 
des Princips schließt übrigens eine größere Mannichfaltigkeit der Erscheinun- 
gen, als sie uns Pompeji in seinen Öffentlichen Brunnen bietet, keineswegs 
aus, wie dies, ganz abgesehn von den Monumenten anderer Orte, die Brunnen 
in den Privathäusern Pompejis beweisen; hier finden wir die Cippen, wenn 
diese überhaupt beibehalten wurden, was nur ausnahmsweise der Fall ist, 
ungleich reicher decorirt; noch häufiger sind sie durch ganze Uarmor- oder 
Bronzestatuen ersetzt, durch welche das Brunnenrohr bis zu irgend einem 
mehr oder weniger sinnreich construirten Ausguss geführt wurde. Diese Brun- 
nenüguren, de1'en Herculaneum eine ganze Reihe und auch Pompeji nicht 
ganz Wenige aufzuweisen hat, boten der Plastik ein fruchtbares Feld und ge- 
hören zu den anmuthigsten Erfindungen derselben; von ihnen soll im artisti- 
schen Theile ausführlicher gesprochen werden. 
Es wäre nun interessant zu wissen, wann Pompeji seine Wasserleitung 
erhielt. Betrachten wir daraufhin die Monumente derselben, so finden wir, 
dass keines derselben auf vorrömische Zeit deutet. Am alterthiimlichsten sehen 
noch die Brunnen aus; doch liegt dies an der Rohheit der Arbeit, welche in 
der Lava durch die Beschaffenheit des Steines bedingt ist. Aber auch das 
Medusenhaupt des aus Tuff, einem leicht zu bearbeitenden Stein, bestehenden 
Brunnens am Stabianer Thor, zeigt nicht im entferntesten den künstlerischen 
Charakter der Tuffköpfe des großen Theaters und des Nolaner Thors (S. 52, 
158). Die Pfeiler bestehn theils (und vorwiegend) aus ziegelförmigen Tuff- 
steinen, theils aus Ziegeln: ihre Bauart zwingt uns nicht, sie auch nur in republi- 
kanische Zeit hinaufzurücken. Ohne also den Zeitpunkt näher bestimmen zu 
wollen, können wir doch sagen, dass allem Anschein nach die WVasserleitung 
Pompejis der römischen Zeit, und zwar schwerlich den Anfängen derselben 
angehört. 
Von öffentlichen Monumenten sind außer den Brunnen besonders noch 
die, wie in katholischen Ländern die Heiligenhäuschen, vielfach in den Straßen 
aufgestellten Altäre der Schutzgottheiten der NVege und Straßen zu erwähnen. 
Ein solches kleines Heiligthum haben wir bereits an dem Brunnenhause bei
        

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