Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871252
Campania felix, 
der Golf von Neapel etc. 
auch in neuerer Zeit Ziemlich allgemein angenommen, dass das Meer im Alter- 
thum viel näher hinanreichte als jetzt, wo die Küste etwa zwei Kilometer von 
Pompeji entfernt ist. Rosini, welcher in seiner Einleitung zu der Publication 
der herßlllanellsischen Papyrusrollen sich eingehend mit dieser Frage beschäf- 
tigt, kam, gestützt namentlich auf Höhenunterschiede des Terrains, zu dem 
Resultat, dass das Meer sich dem südwestlichen Thor (Porta marina) bis auf 
etwa 300 Meter näherte, dass dann nach Südwesten eine kleine Halbinsel vor- 
Sprang, weiter aber die Küste mit tiefer Einbuchtung dicht an die Siidseite 
der Stadt und das Amphitheater hinantrat. Seine Meinung ist von den Spä- 
teren meistens gebilligt worden. Eine methodische Untersuchung dieser 
Frage hat erst in neuester Zeit der gegenwärtige Director der Ausgrabun- 
gen, Herr M. Ruggiero, vorgenommen, indem er durch eine Reihe von Ver- 
suchsgrabungen zwischen Pompeji und dem Meer das Terrain untersuchen 
und die dabei sich ergebenden Bodenschichten sorgfältig aufzeichnen ließ. 
Auf diese Weise ist zwar eine vollständige Lösung der Frage noch nicht 
erreicht worden, doch sind wir ihr nahe gekommen und ist der WVeg zu 
derselben deutlich vorgezeichnet. Es ergab sich nämlich, dass, wenn man 
von der Stadt aus an der Eisenbahn entlang gegen das Meer fortschreitet, 
der obere, der Stadt zunächst liegende Theil der Ebene von den Verschüt- 
tungsmassen des Jahres 79 n. Chr. in regelmäßigen Schichten bedeckt ist, 
während weiter gegen das Meer hin diese Massen fehlen. Diese Erscheinung 
erklärt sich allein durch die Annahme, dass zur Zeit des verhängnissvollen 
Ausbruches das Meer bis dahin reichte, wo die Verschüttungsmassen sich zu 
finden beginnen; denn da dieselben specifisch leichter sind als das Wasser, 
so wurden sie, soweit sie in's Meer fielen, fortgespiilt ohne Spuren zu hinter- 
lassen. Da nun schon bei einer Grabung an einem reichlich 500 Meter von 
der Porta marina entfernten Punkt die betreffenden Schichten nicht mehr ge- 
funden wurden, so ist es sehr glaublich, dass auf dieser Seite die von Rosini 
auf Grund einer Senkung des Bodens angenommene Uferlinie, etwa 300 Meter 
von dem genannten Thor, das richtige trifft. Dagegen ist durch zahlreiche 
Funde von Resten antiker Gebäude und Pflanzungen, welche ebenfalls Rug- 
giero zusammengestellt hat, sowie auch durch das Vorhandensein der Ver- 
schüttungsmassen festgestellt, dass die Ebene südöstlich der Stadt im Alterthum 
bewohnt und bebaut war, dass also Rosinis Annahme, als habe das Meer 
dicht an die Südmauer und an das Amphitheater hinan gereicht, irrig war. 
Bei weiteren Nachforschungen wird es nun darauf ankommen, genau den Punkt 
zu ermitteln, bis zu welchem die Verschiittungsschichten von 79 reichen, und 
von diesem Punkte aus nach beiden Seiten die Uferlinie zu verfolgen. So viel 
ist sicher, dass die Entfernung Pompejis vom Meere höchstens den vierten 
Theil der jetzigen Entfernung betrug. Von den erwähnten antiken Gebäude- 
resten fanden sich die dem Meere am nächsten liegenden in der Nähe der 
Sarnobrücke und des von ihr nicht weit entfernten Miihlencomplexes: also 
mindestens dahin reichte das Land im Jahre 79; und eben hier wurden unter 
anderem Reste einer Barke, ein Anker und F ischergeräth gefunden- Da nun 
die Fischerei ihren natürlichen Sitz am Meeresstrande, nicht etwa am Ufer." 
des Flusses hat, so ist es wahrscheinlich, dass wir auch hier einen Punkt
        

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