Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1874007
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Drittes Capitel. 
ausleeren, so geschah dies durch ein Bleirohr, welches an eben dieser Stelle 
vom Boden derselben in dasselbe Ausgussbassin führte. Die WVanne ist 1,40 
M. tief; man stieg hinein über drei Stufen, deren oberste durch die Umfas- 
sungsmauern, die zweite durch den Fußboden gebildet wird, während die 
dritte nur auf der Vorderseite angebracht ist. Noch bemerken wir, dass aus 
einer Nische zwischen der WVanne und der nächsten Thür zum Tepidarium ein 
Loch schräg durch die Wand auch zu w führt, ofenbar um irgend welches 
schmutzige Wasser auszugießen. Aus w führt eine gemauerte Rinne auf die 
Straße. 
Das Tepidarium g ist ein einfacher viereckiger Raum, geheizt durch den 
von stuckbekleideten Ziegelpfeilerchen getragenen suspendirten Fußboden und 
Thonröhren  an den Wänden; die YVärme gelangte hierher aus 
dem Raum unter dem Caldarium und unter dem noch zu besprechenden Laco- 
nicum r durch Verbindungsgänge unter den Thüren. Nahe der Nordecke führt 
ein Ausgussloch zu w, wohl für das zum Reinigen des Fußbodens gebrauchte 
Wasser. Eine Wanne, wie im Männerbad der größeren Thermen, ist hier 
nicht vorhanden. 
Dagegen hat das Caldarium s nicht weniger als drei Wannen, zwei große 
an den Schmalseiten und eine kleine, die als Labrum dienen mochte, in 
der Mitte der südlichen Langwand. Die Heizungsvorriehtungen sind wie im 
Tepidarium; nach einem hier liegenden Fragment der Stuckbekleidung des 
Gewölbes zu schließen, erstreckten sich die Hohlwande nicht auf dieses und 
also auch wohl nicht auf die Lünetten, was also auch im Tepidarium nicht der 
Fall gewesen sein wird. Ein Ofen genügte aber nicht für den großen Raum: 
man wollte ihrer zwei anlegen, bei x und y, doch war mit ihrer Erbauung noch 
gar nicht der Anfang gemacht worden. Wohl aber sind an beiden Stellen die 
Öffnungen in der Wand vorhanden, durch welche die heiße Luft unter den 
Fußboden gelangen sollte. Diese Öffnungen nun führen nicht nur unter den 
Fußboden, sondern sie haben oben eine gewölbte, halbkreisförmige Erweite- 
rung, welche über denselben hervorragt, so dass das Ganze das Aussehen eines 
gewölbten Durchganges hat. Wozu diese halbkreisförmigen Öffnungen ober- 
halb des Fußbodens dienen sollten, kann uns nicht zweifelhaft sein, wenn wir 
uns an dasjenige erinnern, was wir im Frauencaldarium der größeren Thermen 
beobachtet haben  230). Offenbar beziehen.sie sich auf die Wannen. Diese 
sollten hier eine ebensolche halbkreisfömige Öffnung und eine ebensolche 
höhlenartige Erweiterung bekommen, wie wir sie dort fanden, in Welcher das 
Wasser, von der Leitung für die heiße Luft nur durch eine dünne, vielleicht 
metallene Platte getrennt, stets von neuem erwärmt wurde. 
Das Wasser sollte in die Wannen fallen aus Nischen, die über ihren 
Langseiten angebracht sind: über der östlichen Wanne sind ihrer drei, eine 
halbrunde und gewölbte und zwei viereckige, über der westlichen zwei in den 
beiden Pfeilern zwischen den Fenstern; in die kleine sollte es durch eine 
Röhre unter dem Fenster geleitet werden. Alle drei konnten ausgeleert werden 
durch kurze Bleiröhren, welche nahe dem Boden in die dem Caldarium zu- 
gewandte Mauer eingesetzt sind: das Wasser floss dann auf den Fußboden 
und diente zur Reinigung desselben. Dagegen vermissen wir Vorrichtungen
        

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